Alle 48 Teams der WM 2026: Favoriten, Außenseiter und das ÖFB-Team

Flaggen zahlreicher Nationalmannschaften aus verschiedenen Kontinenten vor einem Fußballmotiv zur WM 2026

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Inhaltsverzeichnis

Wer holt sich den Titel 2026? Eine Frage, die in der deutschsprachigen Sportpresse seit der Auslosung im Dezember 2025 in etwa 800 verschiedenen Varianten gestellt wurde, und auf die ich neun Jahre nach meinem Einstieg in die Analyse immer noch keine ehrliche Antwort geben kann. Was ich geben kann, ist eine strukturierte Landkarte des Teilnehmerfeldes, die Ihnen hilft, die Frage selbst besser zu beantworten.

48 Nationen aus sechs Konföderationen treten an, von denen ungefähr acht als realistische Titelkandidaten gelten, rund zwölf als Mitfavoriten mit Überraschungspotenzial, weitere fünfzehn als solide Turnierteilnehmer ohne große Erwartungen und der Rest als Außenseiter, deren größtes Ziel die Gruppenphase ist. Ein Turnier mit 48 Teams hat automatisch mehr Romantik: Mehr Debütanten, mehr exotische Paarungen, mehr Geschichten jenseits der üblichen Verdächtigen.

Ich bin Chefanalyst bei TORWERK 26, und in den nächsten Abschnitten führe ich Sie durch die Titel-Favoriten, die unterschätzten Dark Horses, das ÖFB-Team im Spotlight, die WM-Debütanten, die Aufteilung nach Konföderationen und die aktuellen Weltmeister-Quoten. Mein Ziel ist nicht, Ihnen zu sagen, wer gewinnt. Mein Ziel ist, Ihnen zu zeigen, wie ich das Teilnehmerfeld lese. Die Titelfrage beantworten Sie am Ende selbst.

Die Zahlen, die das Teilnehmerfeld prägen

Bevor ich auf einzelne Mannschaften eingehe, eine kurze Bestandsaufnahme des gesamten Teilnehmerfeldes. Diese Zahlen sind nicht nur Statistik, sondern sie geben die Proportionen vor, in denen sich die sportliche Wahrscheinlichkeit verteilt.

Insgesamt treten 48 Nationalmannschaften an, verteilt auf sechs Konföderationen. Die UEFA stellt 16 europäische Teams, die CAF neun afrikanische, die AFC acht asiatische, die CONMEBOL sechs südamerikanische, die CONCACAF sechs nordamerikanische inklusive der drei Gastgeber und die OFC aus Ozeanien eines. Zwei weitere Plätze wurden über das interkontinentale Playoff im März 2026 vergeben. Die Aufstockung gegenüber den 32er-Turnieren hat vor allem den afrikanischen und asiatischen Konföderationen geholfen: Beide schicken jetzt jeweils vier bis fünf Teams mehr als früher. Europa bleibt mit 16 Startplätzen der größte Block, das Verhältnis zur Gesamtzahl verschiebt sich aber von 46 Prozent auf 33 Prozent. Das Turnier wird dadurch rechnerisch globaler, und diese Verschiebung ist einer der unterschätzten sportlichen Effekte der WM 2026.

Die Top-Favoriten auf den Titel

Professionelle Fußballspieler verschiedener Nationalmannschaften in Aktion auf einem grünen Rasen als Symbol für die Titelfavoriten der WM 2026

In meiner täglichen Arbeit habe ich eine Faustregel, die mir seit der WM 2014 treu geblieben ist: Wer Weltmeister werden will, braucht entweder einen herausragenden Torhüter oder ein herausragendes Mittelfeld. Alle anderen Positionen sind ersetzbar, diese beiden nicht. Mit diesem Filter im Hinterkopf gehe ich die sieben Mannschaften durch, die in meiner aktuellen Rangliste vorne stehen.

Frankreich

Frankreich ist für mich der eindeutige Mitfavorit und geht mit einem ausgewogenen Kader ins Turnier. Kylian Mbappé ist der offensichtliche Star, aber das eigentlich Beeindruckende ist die Breite des Kaders. Im Mittelfeld hat Didier Deschamps mit Aurélien Tchouaméni und Eduardo Camavinga zwei junge Weltklasseakteure, in der Defensive verleiht William Saliba der Kette die Stabilität, die Frankreich 2022 im Finale gegen Argentinien gefehlt hat. Die Schwäche? Ein Cheftrainer, dessen taktische Flexibilität begrenzt ist, und eine Mannschaft, die sich ihrer Stärke oft zu sicher ist.

Frankreich hat zudem den Vorteil einer vollen zweiten Reihe. Spieler wie Ousmane Dembélé, Randal Kolo Muani und Marcus Thuram könnten bei anderen Nationalmannschaften unangefochtene Stammspieler sein und füllen hier die Bank. Genau diese Tiefe ist es, die bei einem verlängerten Turnier mit acht Partien bis zum Titel zum entscheidenden Faktor werden kann.

Argentinien

Der amtierende Weltmeister kommt mit dem Selbstbewusstsein des Titelverteidigers, aber mit einem alternden Kernspieler. Lionel Messi wird im Juni 2026 bereits 38 Jahre alt sein, und auch wenn er nach wie vor ein entscheidender Faktor ist, muss Lionel Scaloni sein Team neu austarieren. Die zweite Reihe um Julián Álvarez, Alexis Mac Allister und Enzo Fernández ist stark genug, um auch ohne Messi-Dauerform zu bestehen. Die größte Gefahr für Argentinien liegt in der Gruppe J selbst: Drei Spiele in drei verschiedenen US-Städten, jede Partie wird zum Kurzreise-Marathon. Für Österreich ist genau diese Belastung ein leiser Hoffnungsschimmer.

Spanien

Spanien ist nach dem EM-Triumph 2024 für mich der Favorit mit der klarsten Identität. Luis de la Fuente hat seit seiner Amtsübernahme eine Mannschaft geformt, die nicht auf Einzelkönner angewiesen ist, sondern auf Kollektiv und Ballbesitz mit hoher Geschwindigkeit. Lamine Yamal ist der jüngste Schlüsselspieler des Turniers, Rodri im defensiven Mittelfeld wahrscheinlich der beste Sechser der Welt, Pedri die Schaltzentrale. Wenn Spanien im Juni 2026 gesund ins Turnier geht, ist es in meinen Modellen das Team mit der höchsten impliziten Titelwahrscheinlichkeit.

Ein Detail, das ich bei Spanien besonders im Auge behalte, ist die defensive Stabilität. Die spanische Mannschaft hat in der Qualifikation nur wenige Gegentore kassiert, und das bei einem Spielstil, der formal offensiv ausgerichtet ist. Die Kombination aus hohem Ballbesitz und aggressivem Gegenpressing nach Ballverlust macht es Gegnern extrem schwer, überhaupt gefährliche Situationen zu kreieren. Genau diese Eigenschaft hat Spanien bei der EM 2024 den Titel eingebracht, und es gibt wenig Grund zu glauben, dass sie bei der WM verloren geht.

England

England bekommt bei jeder Weltmeisterschaft die Rolle des „ewigen Mitfavoriten“, und ich warne davor, sie zu unterschätzen. Der Kader ist tief, die jungen Spieler wie Bellingham, Foden und Saka haben bereits internationale Turniererfahrung, Harry Kane ist im besten Stürmeralter. Die Frage, die ich mir bei England immer wieder stelle, ist die nach der mentalen Stabilität in K.-o.-Spielen. 2018 und 2022 scheiterte die Mannschaft an Selbstzweifeln, 2024 an Pragmatismus. Die WM 2026 ist die Chance, aus dem Schatten dieser Muster zu treten.

Brasilien

Brasilien hat seit dem Viertelfinal-Aus 2022 einen Umbruch hinter sich, der noch nicht abgeschlossen ist. Vinícius Júnior und Rodrygo sind die neuen Gesichter der Offensive, Casemiro weiter die defensive Konstante. Der fünfte Stern auf dem Trikot ist seit 2002 nicht mehr aufgefrischt worden, und jede brasilianische WM-Kampagne steht unter diesem psychologischen Druck. Der Kader ist talentiert, aber weniger geschlossen als jener des Jahres 2014. Mein persönlicher Eindruck: Brasilien kann Weltmeister werden, aber die Wahrscheinlichkeit ist niedriger, als es die historische Aura vermuten lässt.

Deutschland

Der dritte DACH-Nachbar unserer Redaktion ist sportlich nach schwierigen Jahren wieder auf dem aufsteigenden Ast. Julian Nagelsmann hat seit seiner Amtsübernahme einen klaren Spielstil etabliert, Jamal Musiala und Florian Wirtz sind die offensiven Schlüsselspieler einer Generation, die zum ersten Mal gemeinsam bei einem Turnier spielt. In Gruppe E trifft Deutschland auf die Elfenbeinküste, Ecuador und Curaçao, und die Erwartungshaltung ist klar: Alles andere als der Gruppensieg wäre eine Enttäuschung. Aus österreichischer Sicht ist Deutschland ein Mitfavorit, dem man mit einer gewissen sportlichen Distanz zuschaut.

Portugal

Portugal ist für mich das Team mit dem größten Abstand zwischen Potenzial und Prognose. Der Kader verfügt mit Bruno Fernandes, Bernardo Silva, Rafael Leão, Vitinha und Rúben Dias über sechs bis acht Weltklassespieler, die bei jeder anderen Nationalmannschaft unangefochtene Stars wären. Die Herausforderung ist die Rolle von Cristiano Ronaldo, der im Juni 2026 41 Jahre alt sein wird. Ob er als Symbolfigur oder als Einwechselspieler ins Turnier geht, ist die politische Frage, die den sportlichen Erfolg mitentscheidet. Ich traue Portugal das Halbfinale zu, den Titel aber nur in einem idealen Turnierverlauf.

Diese sieben Mannschaften teilen in meinem Modell rund 70 Prozent der kumulierten Titelwahrscheinlichkeit unter sich auf. Das klingt nach einer engen Spitze, entspricht aber dem Muster früherer Turniere. Die WM wird in den vergangenen 30 Jahren fast ausschließlich von etablierten Titelnationen gewonnen, und die einzige Ausnahme der jüngeren Geschichte war Griechenland bei der EM 2004, das ohne direktes WM-Äquivalent bleibt.

Die Dark Horses — Teams mit Überraschungspotenzial

Jede Weltmeisterschaft produziert mindestens ein Team, das deutlich weiter kommt, als die Vorhersagen es vermutet hatten. 2018 war es Kroatien, das bis ins Finale marschierte. 2022 war es Marokko, das als erste afrikanische Nation überhaupt ins Halbfinale einzog. Wer bei der WM 2026 zum Dark Horse wird, ist offen, aber fünf Kandidaten haben in meiner Analyse besonders hohes Potenzial.

Niederlande

Die Niederlande werden von vielen Beobachtern automatisch in die erweiterte Favoritengruppe gerechnet, aus meiner Sicht sind sie aber eher ein starkes Dark Horse. Der Kader ist gut, aber nicht überragend, und die Mannschaft lebt stark von der taktischen Flexibilität ihres Trainerteams. Virgil van Dijk hält die Defensive zusammen, Frenkie de Jong ist im Mittelfeld der Taktgeber, und in der Offensive liegt viel Verantwortung auf Spielern wie Cody Gakpo und Memphis Depay. Wenn Oranje wieder auf die Formkurve kommt, ist ein Halbfinale möglich.

Marokko

Nach dem Halbfinale 2022 darf Marokko endgültig nicht mehr als Außenseiter gelten. Die Mannschaft um Achraf Hakimi, Hakim Ziyech und Sofyan Amrabat hat gezeigt, dass afrikanischer Fußball auf höchstem Niveau bestehen kann. Die Frage ist, ob sich die Marokko-Geschichte von 2022 wiederholen oder ob die Gegner dieses Mal besser vorbereitet sind. Mein Tipp: Marokko wird nicht mehr überraschen, aber auch nicht abstürzen. Ein Viertelfinale ist realistisch.

Kroatien

Kroatien hat bei den letzten beiden Weltmeisterschaften das Halbfinale erreicht. Ein Zufall? Sicher nicht. Die goldene Generation um Luka Modrić wird 2026 aber endgültig das Ende ihrer Turnierkarriere erreichen. Modrić wird zu Turnierbeginn bereits 40 Jahre alt sein. Der Generationswechsel ist in vollem Gange, aber noch nicht abgeschlossen. Kroatien ist damit weniger ein Dark Horse für den Titel als vielmehr für einen weiteren ehrenvollen Turnierauftritt, der in seiner Summe beeindruckt, auch wenn am Ende kein Pokal wartet.

Uruguay

Uruguay ist jene südamerikanische Mannschaft, die in den Modellen der Buchmacher regelmäßig unterschätzt wird. Der Kader um Darwin Núñez, Federico Valverde und Ronald Araújo hat die physische und technische Qualität, um gegen jeden Gegner mitzuhalten. Die Schwäche liegt im Fehlen eines klaren Matchplans bei Rückstand und einer gewissen Abhängigkeit von einzelnen Schlüsselspielern in K.-o.-Partien. Ich traue Uruguay ein Viertelfinale zu.

Belgien

Die goldene Generation um Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku hat ihre besten Jahre hinter sich, und Belgien befindet sich ebenfalls im Übergang. Trotzdem ist der Kader reich an Erfahrung, und mit De Bruyne als Spielgestalter hat das Team im besten Fall immer noch einen der kreativsten Mittelfeldspieler der Welt. Gruppe G mit Iran, Neuseeland und Ägypten ist auf dem Papier gut spielbar. Wie weit Belgien dann in der K.-o.-Phase kommt, hängt fast vollständig von der Tagesform De Bruynes ab.

Norwegen

Norwegen ist für mich der spannendste Dark Horse des Turniers. Nach 28 Jahren WM-Pause kehrt das Team von Ståle Solbakken mit einer makellosen Qualifikationsbilanz zurück: acht Siege in acht Spielen, 37 erzielte und nur fünf erhaltene Tore, dazu ein 4:1 auswärts gegen Italien in Mailand am 16. November 2025, das die Quoten innerhalb weniger Tage von rund 100,00 auf inzwischen 26,00 bis 30,00 stürzen ließ. Erling Haaland wird zum ersten Mal überhaupt bei einer Weltmeisterschaft auflaufen, Martin Ødegaard ist der kreative Kopf im Mittelfeld, Alexander Sørloth der zweite Stürmer mit fast einem Tor pro Spiel im Nationaltrikot. In Gruppe I trifft Norwegen auf Frankreich, Senegal und den Playoff-Sieger Irak. Ein zweiter Platz hinter Frankreich ist das realistische Ziel, und ab der K.-o.-Phase wird kein Team Norwegen freiwillig ziehen wollen.

Diese sechs Teams teilen sich in meinen Modellen rund 18 bis 22 Prozent der kumulierten Titelwahrscheinlichkeit. Rechnet man die oben genannten sieben Favoriten hinzu, ergibt sich ein realistisches Gesamtbild: Rund dreizehn Mannschaften haben überhaupt eine ernsthafte Chance auf den Titel, die übrigen 35 spielen praktisch um andere Ziele. Das klingt zynisch, ist aber statistisch präzise und hilft, Erwartungen zu sortieren.

Ein häufig übersehener Dark Horse ist übrigens Japan. Das Team hat sich in den vergangenen Jahren auf ein taktisches Niveau entwickelt, das es mit europäischen Mittelfeldteams locker aufnehmen kann. Spieler wie Wataru Endō, Takefusa Kubō und Kaoru Mitoma haben Erfahrung in den besten Ligen Europas. Bei der WM 2022 schlug Japan sowohl Deutschland als auch Spanien in der Gruppenphase, und das war kein Zufall. In Gruppe F trifft die Mannschaft auf die Niederlande, Tunesien und Schweden, und ich halte einen Aufstieg über Platz zwei für absolut möglich.

Auch Senegal verdient Erwähnung. Die Mannschaft um Kalidou Koulibaly und Nicolas Jackson hat die Kontinuität, die viele afrikanische Teams in der Vergangenheit vermissen ließen. Unter einem erfahrenen Trainerteam ist Senegal sportlich stabil, und in einer offenen Gruppe I kann das Team mehr als nur Kulisse sein.

Österreich — das ÖFB-Team nach 28 Jahren zurück

Am 15. November 2025, als der Gruppensieg in der UEFA-Qualifikation endgültig feststand, saß ich mit zwei Kollegen in der Redaktion und wir schauten uns die Tabelle an, als wäre sie ein altes Familienfoto. Ein Gruppensieg vor Bosnien-Herzegowina und Rumänien, ohne Spektakel, ohne Drama, mit der Ruhe einer Mannschaft, die weiß, was sie tut. Genau diese Ruhe ist für mich das Kennzeichen des ÖFB-Teams von Ralf Rangnick.

Spieler des österreichischen ÖFB-Teams bei einem Länderspiel mit sichtbaren Wappen auf den Trikots

28 Jahre sind seit dem letzten österreichischen WM-Auftritt bei der Endrunde in Frankreich 1998 vergangen. Eine ganze Generation von Fans hat die eigene Nationalmannschaft nie bei einer Weltmeisterschaft gesehen, und entsprechend hoch ist die Emotion rund um das Turnier 2026. Rangnick hat es geschafft, eine Mannschaft zu formen, die intensiv und modern Fußball spielt, ohne die individuelle Qualität ihrer Schlüsselspieler zu verlieren.

David Alaba ist der Kapitän und die emotionale Ankerfigur. Sein Weg von der Wiener Vorstadt über die Bayern-Akademie bis zu Real Madrid ist eine der großen österreichischen Sportgeschichten der letzten zwei Jahrzehnte. Seine Rolle in der Nationalmannschaft ist nicht nur sportlich, sondern auch führend. Marko Arnautović ist der erfahrene Stürmer, der in der Qualifikation acht Tore erzielt hat und der für sein impulsives Spiel genauso bekannt ist wie für seinen Torinstinkt. Marcel Sabitzer ist der Motor im Mittelfeld, Konrad Laimer der Ballgewinner, Michael Gregoritsch der Wandspieler, der in wichtigen Momenten liefert.

Die Gruppe J mit Argentinien, Algerien und Jordanien ist auf dem Papier anspruchsvoll, aber lösbar. Jordanien ist als WM-Debütant der schwächste Gegner, und ein Sieg am 17. Juni im Levi’s Stadium wäre nach meinen Modellen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent zu erwarten. Gegen Algerien am 27. Juni in Kansas City liegt die Wahrscheinlichkeit bei knapp 50 Prozent, gegen Argentinien am 22. Juni in Arlington bei rund 18 Prozent. Mit einem Sieg und einem Remis wäre der Aufstieg über Platz zwei oder drei machbar. Die rechnerische Gesamtwahrscheinlichkeit für den Sprung in die Runde der 32 liegt in meinen Modellen bei knapp 58 Prozent. Das ist kein Spaziergang, aber es ist ein realistischer Weg.

Was Österreich im Turnier auszeichnen wird, ist die Disziplin. Unter Rangnick hat das Team eine taktische Reife erreicht, die es ihm erlaubt, auch gegen physisch überlegene Gegner mitzuhalten. Die Schwäche liegt in der Torgefahr aus dem Spiel heraus: Zu viele ÖFB-Tore fallen aus Standardsituationen, und das ist bei Turnieren mit Spitzengegnern ein limitierender Faktor. Wenn es dem Trainer gelingt, die offensive Durchschlagskraft zu verbessern, ist mehr als die Gruppenphase denkbar.

Mein persönlicher Tipp für Österreich lautet: Aufstieg in die Runde der 32, dann ein knappes Ausscheiden gegen einen mittelklassigen Gruppenersten aus einer anderen Gruppe. Realistisch, ehrenvoll, und mit dem Wissen, dass die nächste Qualifikation nicht 28 Jahre dauern sollte.

Ein paar Worte zum Trainer verdient die gesamte Geschichte. Ralf Rangnick hat eine Fußball-Philosophie, die unter Kollegen und Experten seit Jahrzehnten den Ruf des Anspruchsvollen genießt: aggressives Pressing, schnelle Umschaltmomente, hohe Intensität in jeder Phase des Spiels. Seine Karriere führte ihn von Hoffenheim über Leipzig bis ins internationale Vereinscoaching, und seine Landung beim ÖFB war aus rein strategischer Sicht einer der geschicktesten Trainerwechsel, den der österreichische Verband je vollzogen hat. Rangnick hat die Mannschaft nicht nur sportlich, sondern auch mental auf ein Niveau gehoben, das vor seiner Amtszeit undenkbar schien.

Noch ein Gedanke zur Identität dieser Mannschaft: Österreich ist bei der WM 2026 kein Team, das sich hinter einer defensiven Mauer verstecken will. Rangnick wird versuchen, das Spiel zu machen, auch gegen Argentinien. Das kann nach hinten losgehen, es kann aber auch die Art von mutigem Auftreten sein, das einem Turnier Charakter verleiht. Ich persönlich hoffe auf Letzteres, und ich glaube, die Mannschaft hat das Zeug dazu.

Die Debütanten der WM 2026

Ein paar Namen auf dem Turnierplan haben noch nie auf einem WM-Plakat gestanden. Für die Fans dieser Länder ist die WM 2026 nicht nur ein sportliches Ereignis, sondern ein historischer Moment. Vier Debütanten verdienen einen genaueren Blick.

Kap Verde

Der kleine Inselstaat mit knapp über 500.000 Einwohnern ist die kleinste Nation im Teilnehmerfeld und gleichzeitig einer der sympathischsten Debütanten überhaupt. Die Qualifikation gelang über die CAF-Gruppenphase, und das Team zählt auf eine starke Diaspora von Spielern, die in Europa und insbesondere in Portugal und Frankreich ausgebildet wurden. In Gruppe H trifft Kap Verde auf Spanien, Saudi-Arabien und den Playoff-Sieger. Die sportlichen Erwartungen sind bescheiden, die emotionale Wirkung der Qualifikation ist dagegen historisch.

Jordanien

Jordanien in Gruppe J ist der Debütant, den österreichische Fans besonders im Blick haben werden. Die Mannschaft hat sich über die AFC-Qualifikation eine Chance erarbeitet und kommt als Außenseiter an ein Turnier, bei dem jeder erspielte Punkt als historischer Erfolg gelten würde. Für das ÖFB-Team ist Jordanien sportlich der schwächste Gegner der Gruppe, aber genau solche Partien können in Nervositätsphasen zur Falle werden. Kein Team bei der WM ist so hungrig wie ein Debütant in seinem ersten Spiel.

Curaçao

Curaçao, ein kleiner Karibikstaat mit rund 150.000 Einwohnern, wird dank cleverer Nutzung seiner Diaspora zum Debütanten. Ein Großteil des Kaders besteht aus Spielern, die in den Niederlanden geboren und ausgebildet wurden, aber für die Heimat ihrer Eltern oder Großeltern auflaufen. Trainer der Mannschaft ist ein erfahrener niederländischer Name, und die sportliche Hoffnung in Gruppe E liegt darin, gegen Deutschland, die Elfenbeinküste und Ecuador zumindest einen Punkt zu erspielen.

Usbekistan

Usbekistan ist der asiatische Debütant des Turniers. Die Mannschaft hat sich über die AFC-Qualifikation durchgesetzt und bringt mit einigen Spielern, die in der russischen und europäischen Liga aktiv sind, mehr internationale Erfahrung mit, als das Etikett „Debütant“ vermuten lässt. In Gruppe K trifft Usbekistan auf Portugal, die DR Kongo und Kolumbien. Der Sprung in die K.-o.-Phase ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Insgesamt bietet das 48er-Format vier echte Debütanten, was für ein WM-Turnier ungewöhnlich viel ist. Beim letzten Turnier in Katar war es nur ein einziger Debütant, und bei den 2010er-Turnieren lag die Quote meist bei eins oder zwei. Die Aufstockung hat also tatsächlich den gewünschten Effekt: Mehr Nationen bekommen eine Chance, auf der Weltbühne zu bestehen, und damit wächst das Turnier über seinen traditionellen europäisch-südamerikanischen Kern hinaus.

Ein kleiner historischer Randhinweis: Seit 1998 sind bei jeder WM zwischen einem und fünf Debütanten angetreten, und statistisch kommt etwa jeder zweite Debütant über die Gruppenphase hinaus. Ob dieses Muster auch 2026 hält, wird sich erst an den dritten Gruppenspieltagen zeigen. Meine persönliche Hoffnung gilt Kap Verde, weil kein Team im gesamten Feld eine schönere Qualifikationsgeschichte mitbringt.

Aufteilung nach Konföderationen — UEFA, CONMEBOL, CONCACAF, AFC, CAF, OFC

Eine Frage, die in jeder WM-Redaktionssitzung irgendwann aufkommt: Welche Konföderation bringt das sportlich stärkste Feld? Die Antwort ist nicht so eindeutig, wie sie 1990 noch gewesen wäre.

Die UEFA stellt mit 16 Teilnehmern das mit Abstand größte Kontingent. Die Bandbreite reicht von Titelfavoriten wie Frankreich, Spanien und England über solide Turnierteams wie Belgien, Kroatien und die Niederlande bis zu Mannschaften wie der Schweiz, Portugal, Deutschland, Serbien und Norwegen, die jeweils eine eigene Geschichte mitbringen. Die UEFA gewinnt seit 2006 jede Weltmeisterschaft bis auf eine, und dieser Trend dürfte sich 2026 fortsetzen. Europa bleibt die dominante Konföderation des Weltfußballs.

CONMEBOL schickt mit sechs Teams die historisch zweitstärkste Konföderation ins Rennen. Argentinien, Brasilien und Uruguay gehören zum Kreis der Titelkandidaten beziehungsweise Dark Horses, Kolumbien, Paraguay und Ecuador sind respektable Turniermannschaften. Der südamerikanische Fußball hat eine andere Identität als der europäische, technisch feiner, physisch eine Nuance weniger intensiv, mit stärker individueller Spielkultur. Diese Unterschiede werden bei direkten Duellen im Turnier sichtbar.

CONCACAF stellt sechs Teams, von denen drei Gastgeber sind: die USA, Mexiko und Kanada. Dazu kommen die sportlich qualifizierten Mannschaften der Region. Die USA gelten als eine der aufstrebenden Fußballnationen der letzten zwei Jahrzehnte und könnten mit dem Heimvorteil weiter kommen als viele europäische Mittelfeldteams. Mexiko ist eine Turnierkonstante mit traditionell starker Gruppenphase und schwacher K.-o.-Runde, Kanada ein junges Team mit hohem Potenzial.

AFC schickt acht Teams, darunter Japan, Südkorea, Saudi-Arabien, Iran, Australien, Katar sowie die Debütanten Usbekistan und Jordanien. Japan ist mein klarer Favorit innerhalb der AFC und hat in Gruppe F bei den Niederlanden, Tunesien und Schweden eine reelle Aufstiegschance. Australien und Südkorea haben eine solide Turnierbilanz, Saudi-Arabien überraschte 2022 mit dem Sieg gegen Argentinien und bleibt eine unberechenbare Größe.

CAF stellt neun Teams. Marokko, Senegal, die Elfenbeinküste, Ägypten, Algerien, Südafrika, Tunesien und die DR Kongo sowie ein weiterer Vertreter bilden ein breites afrikanisches Spektrum. Die afrikanischen Teams haben in den letzten Jahren statistisch aufgeholt, und ihre beste Leistung aller Zeiten war Marokkos Halbfinale 2022. Ob sich diese Leistung 2026 wiederholen lässt, ist eine der spannendsten strategischen Fragen des Turniers.

Die OFC schickt mit Neuseeland einen einzigen Vertreter. Neuseeland ist bei Weltmeisterschaften traditionell Außenseiter, aber keine Karikatur: Die Mannschaft kombiniert Spieler aus englischen und australischen Ligen und kann gegen ungeordnete Gegner gefährlich werden.

Wenn man diese sechs Konföderationen in ein einziges Bild fasst, ergibt sich eine interessante Beobachtung: Die Kluft zwischen europäischen Spitzenteams und afrikanischen oder asiatischen Mitbewerbern ist kleiner geworden, aber sie existiert weiterhin. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Trainern. Während europäische Nationen fast ausschließlich mit Landestrainern arbeiten, setzen viele afrikanische und asiatische Verbände auf europäische Coaches, die ihre taktische Schule mitbringen. Dieser Wissenstransfer hat den Abstand verringert, aber er hat ihn nicht eliminiert. Wer als außereuropäisches Team ins Halbfinale will, braucht nach wie vor eine perfekte Turnierwoche.

Ein weiterer Punkt, der beim Blick auf die Konföderationen nicht fehlen darf, ist die Frage nach dem Rhythmus der Vorbereitungsspiele. Europäische Teams spielen in Nations-League-Formaten regelmäßig gegen ebenbürtige Gegner, während afrikanische und asiatische Mannschaften ihre Vorbereitungsspiele oft mit deutlich geringerem Gegnerniveau bestreiten müssen. Dieser Unterschied in der Wettkampfschärfe schlägt sich bei einem großen Turnier statistisch nieder. Die WM 2026 wird zeigen, ob die FIFA-Reformen und die neue Global-Nations-League-Idee diesen Abstand weiter verringern können.

Weltmeister-Quoten im Überblick

Quoten sind ein Spiegel der kollektiven Einschätzung des Marktes. Ich nehme sie nicht als Wahrheit, aber ich nehme sie als Ausgangspunkt für meine eigene Analyse. Hier ist eine Momentaufnahme der aktuellen Weltmeister-Quoten der zehn Mannschaften, die in meinen Modellen die höchste Titelwahrscheinlichkeit haben. Die Zahlen sind Richtwerte, reale Quoten bei lizenzierten Anbietern schwanken um diese Werte.

RangTeamQuote RichtwertImplizite Wahrscheinlichkeit
1Spanien5,5018,2 Prozent
2England6,5015,4 Prozent
3Frankreich7,0014,3 Prozent
4Argentinien9,0011,1 Prozent
5Brasilien9,0011,1 Prozent
6Portugal12,008,3 Prozent
7Deutschland13,007,7 Prozent
8Niederlande21,004,8 Prozent
9Norwegen28,003,6 Prozent
10Belgien30,003,3 Prozent

Auffällig ist die enge Spitze: Fünf Teams liegen zwischen 5,50 und 9,00, was eine extrem offene Titelfrage signalisiert. Ein Turnier mit einem so eng gestaffelten Favoritenkreis ist statistisch eines, in dem Überraschungen wahrscheinlicher sind als in einem Turnier mit einem klaren Solitär. Österreich rangiert in den aktuellen Quoten übrigens deutlich hinter den zehn genannten Teams, mit Weltmeister-Quoten von 500 oder höher. Das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von unter 0,2 Prozent. Ehrlich gesagt, die meisten österreichischen Fans wetten nicht auf den Titel, sondern auf den Aufstieg aus der Gruppe, und dort liegen die Quoten spürbar attraktiver.

Antworten auf häufige Fragen zu den Teams

Die drei häufigsten Fragen zu den Teilnehmern der WM 2026 beantworte ich hier so kompakt wie möglich.

Wie viele Teams nehmen an der WM 2026 teil?
48 Nationalmannschaften sind für die Endrunde qualifiziert. Sie verteilen sich auf zwölf Gruppen zu je vier Teams, und insgesamt werden 104 Spiele ausgetragen. Die WM 2026 ist damit die erste Weltmeisterschaft im neuen 48er-Format.
Ist Österreich bei der WM 2026 dabei?
Ja. Das ÖFB-Team hat sich als Sieger der UEFA-Qualifikationsgruppe H vor Bosnien-Herzegowina und Rumänien direkt qualifiziert. Es ist die erste WM-Teilnahme Österreichs seit Frankreich 1998, also nach 28 Jahren Pause. In Gruppe J trifft die Mannschaft auf Argentinien, Algerien und Jordanien.
Wer gilt als Titelfavorit der WM 2026?
Nach den aktuellen Quoten und den meisten Prognose-Modellen gelten Spanien, Frankreich, England, Argentinien und Brasilien als die fünf wahrscheinlichsten Weltmeister. Die Unterschiede sind gering, und das Feld ist so eng wie seit mehreren Turnieren nicht mehr.

Favoriten, Dark Horses und ÖFB-Team im Gesamtbild

Wenn ich am Ende dieser Seite zurückschaue, ist mein stärkster Eindruck folgender: Die WM 2026 ist das vielfältigste Teilnehmerfeld in der Geschichte dieses Turniers, und genau diese Vielfalt ist ihr größtes Geschenk. Sieben Titelkandidaten, fünf ernsthafte Dark Horses, vier Debütanten, eine dominante europäische Konföderation und eine afrikanische Konföderation im Aufwind. Wer die Mannschaften durchgeht, muss sich bei keiner einzigen langweilen. Das ÖFB-Team ist in diesem Feld nicht der kleinste Fisch, aber auch nicht der größte. Genau diese Position, irgendwo zwischen Außenseiter und Mitläufer, ist der interessanteste Platz, den man bei einer Weltmeisterschaft einnehmen kann.

Was mich persönlich an diesem Turnier am meisten reizt, ist die Frage, ob die Breite des Feldes tatsächlich zu einem neuen Gesicht an der Spitze führt oder ob sich am Ende wieder die üblichen vier bis fünf Nationen durchsetzen. Meine Vermutung, nach neun Jahren Erfahrung mit Turniermodellen: Der Weltmeister wird wahrscheinlich aus dem Kreis der sieben Favoriten kommen, aber mindestens ein Halbfinal-Platz wird von einem Dark Horse besetzt sein. Das wäre eine WM, wie sie sich Fußballfans weltweit wünschen: genug Kontinuität, um erkennbar zu bleiben, und genug Überraschung, um begeistert zu werden.