Deutschland bei der WM 2026: DFB-Team, Nagelsmann und die Gruppe E

Spieler der deutschen Nationalelf in weißen Trikots auf dem Spielfeld

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Aus österreichischer Sicht ist die deutsche Nationalelf immer ein Sonderfall. Für DACH-Fans ist Deutschland weder ein beliebiger Topfavorit noch eine neutrale Turniernation, sondern der große Nachbar, an dessen sportlichen Erfolgen oder Misserfolgen man stets mit gemischten Gefühlen Anteil nimmt. Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale der EM 2024 gegen Spanien reist das DFB-Team zur WM 2026 mit einer jungen Generation um Jamal Musiala und Florian Wirtz, einem Trainer, der endlich Stabilität in die Mannschaft gebracht hat, und einer Gruppenauslosung, die auf dem Papier lösbar wirkt. Ich betrachte in diesem Profil die deutsche Ausgangslage so nüchtern, wie ich es bei jeder anderen Topnation tun würde — ohne österreichische Schadenfreude und ohne unnötige Distanzierung. Wer auf die WM 2026 aus Wien oder Graz schaut, wird ohnehin viele deutsche Spiele live verfolgen, weil sie in die beste Sendezeit fallen und auch in österreichischen Wettmärkten stark gehandelt werden. In den folgenden Sektionen analysiere ich die Qualifikation, den Trainer Julian Nagelsmann, die wichtigsten Spieler, die Gruppe E mit Elfenbeinküste, Ecuador und Curaçao sowie die möglichen Wege, auf denen sich die Pfade von Deutschland und Österreich im Turnier später noch einmal kreuzen könnten. Am Ende steht meine Einschätzung, wo die Quoten fair sind und wo ich vorsichtig wäre.

DFB-Qualifikation zur WM 2026

Eine Beobachtung vorweg: Die deutsche Qualifikation verlief deutlich ruhiger als die der beiden vorangegangenen Großturniere. Es gab keine Krisensitzungen nach peinlichen Niederlagen, keine offenen Flügelkämpfe in den Medien, keine Trainerdiskussionen. Für deutsche Verhältnisse war das nahezu unauffällig, und genau diese Unauffälligkeit ist der wichtigste Hinweis auf die innere Stabilität der Mannschaft.

Deutschland gewann seine UEFA-Qualifikationsgruppe souverän, mit nur einem Remis und einer klaren Tor-Differenz. Die Mannschaft zeigte in den wichtigen Spielen gegen die stärksten Gruppengegner die nötige Effizienz und ließ in den leichteren Partien kaum Nachlässigkeiten zu. Besonders bemerkenswert war die defensive Stabilität: Das DFB-Team kassierte in der gesamten Qualifikation nur wenige Gegentore, und die Abwehrreihe um Antonio Rüdiger und Jonathan Tah zeigte eine Ruhe, die vor zwei Jahren noch nicht vorhanden war.

Statistisch interessant sind die xG-Werte der deutschen Qualifikationsspiele. Die Mannschaft erzeugte pro Spiel durchschnittlich rund 2,2 erwartete Tore und ließ nur etwa 0,7 erwartete Gegentore zu. Diese Differenz ist eine der besseren in Europa und zeigt, dass Nagelsmanns System offensiv wie defensiv funktioniert. Im Vergleich zur EM 2024, bei der das Team offensiv brillant, defensiv aber anfällig war, hat sich die Balance spürbar verbessert.

Ein weiterer positiver Befund aus der Qualifikation betrifft die Einbindung der jungen Spieler. Musiala, Wirtz und Xavi Simons (der sich zwar für Deutschland entschieden hat, aber rechtlich komplex bleibt) spielten sich in eine Rolle, in der sie das Team offensiv prägen, ohne von der Verantwortung erdrückt zu werden. Für ein Team, das in den vergangenen Jahren immer wieder an der Integration seiner Talente gescheitert ist, ist das ein Fortschritt, der den Unterschied zwischen Viertelfinale und Halbfinale ausmachen kann.

Eine Schwäche, die ich aus den Qualifikationsdaten ableite, betrifft die Chancenverwertung gegen tief stehende Gegner. In mehreren Spielen erzeugte Deutschland zwar viele Abschlüsse, blieb aber lange Zeit ohne Tor, bis irgendwann der Bann brach. Bei einer Weltmeisterschaft, in der Außenseiter häufig komplett defensiv auftreten, könnte diese Effizienz-Schwäche zum Problem werden. Nagelsmann hat diesen Punkt in mehreren Pressekonferenzen selbst angesprochen, und die Vorbereitung auf das Turnier wird voraussichtlich einen Schwerpunkt auf Abschlusstraining legen.

Ein weiterer Aspekt, der in meiner Qualifikationsauswertung wichtig erscheint, ist die Einbindung der Außenverteidiger. Nagelsmann lässt seine Außenverteidiger bei Ballbesitz weit aufrücken, was offensive Überlegenheit auf den Flügeln schafft, aber auch die defensiven Räume hinter ihnen aufmacht. In der Qualifikation hat das DFB-Team diese offene Struktur durch intensives Rückwärtspressing und diszipliniertes Zentrum kompensiert, aber gegen Weltklasse-Offensiven wie Frankreich oder Argentinien könnte dieses Risiko größer sein. Wer die deutsche Mannschaft wettanalytisch bewertet, sollte diese strukturelle Offenheit im Hinterkopf behalten.

Auch statistische Detailwerte sind aufschlussreich. Deutschland hatte in der Qualifikation die zweithöchste Ballbesitzquote unter allen europäischen Teams, lag bei der Zahl der gespielten Vertikalpässe jedoch nur im Mittelfeld. Das bedeutet, dass das Team zwar viel Ball hat, aber nicht immer schnell nach vorne findet. In K.-o.-Spielen, in denen die Chancen selten sind und jeder einzelne Angriff zählt, wird diese vertikale Langsamkeit zum Risikofaktor. Nagelsmann arbeitet nach eigenen Aussagen seit Monaten daran, die Mannschaft in Umschaltmomenten schneller zu machen.

Julian Nagelsmann und sein Konzept

Ein persönlicher Eindruck aus mehreren Jahren Beobachtung: Julian Nagelsmann ist der interessanteste deutsche Trainer der Gegenwart, weil er den taktischen Mut mit einer erstaunlichen kommunikativen Fähigkeit verbindet. Wo andere Trainer in Pressekonferenzen Phrasen abspulen, formuliert Nagelsmann seine Gedanken in einer Weise, die sowohl Experten als auch Laien verständlich sind. Das ist mehr als nur Rhetorik — es ist die Basis seines Erfolgs bei der Mannschaft.

Nagelsmann übernahm das Amt des Bundestrainers im Herbst 2023 und brachte eine klare taktische Vision mit. Seine Spielidee basiert auf einer Mischung aus Ballbesitz-Kontrolle in der eigenen Hälfte, aggressivem Pressing in der gegnerischen Hälfte und vertikaler Schnelligkeit beim Umschalten. Das klingt auf den ersten Blick nach einer Standardformel, ist in der Umsetzung aber weit anspruchsvoller, weil alle drei Phasen präzise ineinandergreifen müssen. Nagelsmann hat die deutsche Nationalelf in zwei Jahren auf dieses Niveau gebracht.

Taktisch arbeitet Deutschland mit einer Basis-4-2-3-1-Formation, die sich gegen stärkere Gegner in ein 4-3-3 oder ein 3-4-2-1 umwandeln lässt. Die offensive Dreierreihe aus Wirtz, Musiala und einem Flügelspieler ist das Herzstück des Systems, und die beiden Sechser (typischerweise Joshua Kimmich und ein Partner) bieten die nötige defensive Absicherung. Die Außenverteidiger rücken bei Ballbesitz weit auf, um zusätzliche Breite zu erzeugen, und die Innenverteidiger Rüdiger und Tah übernehmen die defensive Kontrolle.

Eine Eigenschaft, die Nagelsmann von anderen deutschen Trainern der jüngeren Vergangenheit unterscheidet, ist seine Fähigkeit, während eines Spiels flexibel auf Gegner zu reagieren. Er scheut sich nicht, in der Halbzeitpause die Formation komplett zu ändern, wenn die erste Hälfte zeigt, dass der ursprüngliche Plan nicht funktioniert. Diese taktische Beweglichkeit ist bei Turnieren ein wichtiger Vorteil, weil K.-o.-Spiele häufig an taktischen Details entschieden werden.

Mein Gesamteindruck zu Nagelsmann: Er hat die deutsche Nationalelf aus einer Identitätskrise geholt und ihr eine neue Spielidee gegeben. Ob das für den Titel reicht, wird sich bei der WM 2026 zeigen. Sein System funktioniert gegen mittelstarke Gegner zuverlässig, muss sich aber gegen Weltklasse-Nationen wie Frankreich oder Spanien noch beweisen. Die EM 2024 hat gezeigt, dass Deutschland gegen die absoluten Top-Teams an einem einzigen Spieltag scheitern kann. Diese Schwäche zu überwinden, ist Nagelsmanns größte Aufgabe.

Ein weiterer Punkt zu Nagelsmanns Arbeit, der in der öffentlichen Debatte oft übersehen wird, ist sein Umgang mit Spielerpersönlichkeiten. Er hat es geschafft, egozentrische Stars wie Leroy Sané in ein Kollektiv zu integrieren, ohne dabei deren individuelle Klasse zu beschneiden. Gleichzeitig hat er sich nicht gescheut, verdiente Spieler aus dem Kader zu nehmen, wenn die Form es erforderte. Diese Mischung aus Respekt und Konsequenz ist selten und macht den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Nationaltrainer aus. Für die WM 2026 bedeutet das konkret, dass der Trainer schwierige Entscheidungen auch während des Turniers treffen kann, ohne die Kabine zu sprengen.

Schlüsselspieler

Die deutsche Nationalelf 2026 ist kein Team, das von einem einzelnen Superstar getragen wird. Sie funktioniert über ein Kollektiv mit klar verteilten Rollen und mehreren Spielern auf internationalem Spitzenniveau. Vier Namen stechen besonders heraus.

Jamal Musiala

Der wohl kompletteste deutsche Offensivspieler der vergangenen zehn Jahre. Musiala verbindet Dribbling, Ballkontrolle, Spielwitz und Abschlussstärke auf einem Niveau, das in seiner Altersklasse nur von Lamine Yamal übertroffen wird. Bei Bayern München ist er fester Bestandteil der Offensivabteilung und hat sich von einem Talent zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt. In der Nationalelf agiert er in einer halbrechten Offensivposition, von der aus er nach innen zieht und die Zentrale öffnet. Seine Fähigkeit, in engen Räumen zu dribbeln und dabei den Überblick zu behalten, ist für das deutsche System unverzichtbar. Besonders bemerkenswert ist seine Konstanz in wichtigen Spielen: Musiala hat in den vergangenen zwei Jahren fast nie eine schwache Partie auf internationalem Niveau gespielt, was für einen Spieler seines Alters eine Ausnahmeerscheinung ist.

Florian Wirtz

Der zweite große Offensivname der aktuellen Generation, und in meinen Augen derjenige mit dem größten spielintelligenten Upside. Wirtz agiert klassisch als Zehner hinter den Spitzen, ist aber in der Lage, auch als Flügelspieler oder hängende Spitze zu überzeugen. Seine Pässe in die Tiefe und sein Gespür für das gegnerische Abwehrverhalten machen ihn zum wichtigsten Vorbereiter des DFB-Teams. Wirtz ist der Spieler, der Musiala die Räume öffnet, in denen dieser seine individuelle Klasse zeigen kann. Ohne einen funktionierenden Wirtz fehlt Deutschland ein strukturelles Element im Offensivspiel.

Joshua Kimmich

Der Kapitän, der Stratege, der unumstrittene Chef im defensiven Mittelfeld. Kimmich ist seit Jahren einer der konstantesten deutschen Spieler und vereint Passspiel, Zweikampfstärke und mentale Führungsqualität. Seine Rolle im System ist die des Regisseurs aus der Tiefe: Er verteilt die Bälle im Aufbauspiel, sichert die Räume vor der Viererkette ab und übernimmt in Drucksituationen die verbale Führung auf dem Platz. Für die deutsche Nationalelf ist er der wichtigste Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff.

Kai Havertz

Der Stürmer, der in der deutschen Nationalelf nach langer Positionssuche endlich seine Rolle gefunden hat. Havertz ist bei Arsenal zur verlässlichen Offensivkraft geworden und hat sich auch im DFB-Team als zentraler Angreifer etabliert. Seine Stärken liegen in der Ballverarbeitung, im Kombinationsspiel mit den Mittelfeldspielern und in der Fähigkeit, auch aus halblinken Positionen zum Abschluss zu kommen. Kein klassischer Strafraumstürmer, aber ein moderner Angreifer, der in Nagelsmanns System perfekt passt. Seine Vielseitigkeit erlaubt es dem Trainer, ihn je nach Spielsituation auch auf die Außenbahn oder in eine hängende Zehner-Rolle zu verschieben.

Gruppe E — Elfenbeinküste, Ecuador, Curaçao

Ein Blick auf die Auslosung hat bei den deutschen Fans zunächst Erleichterung ausgelöst. Gruppe E ist nicht die Todesgruppe des Turniers, aber sie enthält mit der Elfenbeinküste und Ecuador zwei Gegner, die man nicht unterschätzen darf. Die Buchmacher handeln Deutschland trotzdem als klaren Favoriten mit einer Gruppensieger-Quote von unter 1,40.

Die Elfenbeinküste ist der sportlich stärkste Gegner in Gruppe E. Die Ivorer haben bei der Afrika-Cup-Kampagne 2024 beeindruckende Leistungen gezeigt und verfügen über mehrere Spieler, die in europäischen Top-Ligen aktiv sind. Ihre Stärke liegt in der physischen Präsenz und im schnellen Umschaltspiel, das gerade gegen ballbesitzorientierte Teams wie Deutschland problematisch werden kann. Ich rechne in diesem Spiel mit einer eng gestaffelten Partie, in der Deutschland vor allem über die individuellen Qualitäten der Offensivstars zum Erfolg kommen muss.

Ecuador ist der klassische CONMEBOL-Vertreter mit solider Struktur und disziplinierter Abwehr. Die Südamerikaner haben sich in der CONMEBOL-Qualifikation gegen namhafte Gegner behauptet und bringen genau das Spielverständnis mit, das in K.-o.-ähnlichen Einzelspielen gefährlich wird. Gegen Deutschland wird Ecuador voraussichtlich tief stehen und auf Konter spekulieren, was dem DFB-Team vor allem Geduld und Chancenverwertung abverlangen wird.

Curaçao ist der Überraschungs-Debütant der Gruppe und eine der Geschichten, die das neue WM-Format mit 48 Teams ermöglicht. Die karibische Auswahl wird sportlich klar der schwächste Gegner sein, aber emotional eine der spannendsten Mannschaften des Turniers. Deutschland sollte das Spiel souverän gewinnen, darf aber nicht in die Falle tappen, den Gegner zu unterschätzen. Quoten auf einen deutschen Sieg liegen bei den meisten Anbietern unter 1,15.

Taktisch wird die Gruppenphase für Deutschland weniger ein sportlicher Wettkampf als eine Vorbereitung auf die K.-o.-Phase. Nagelsmann wird voraussichtlich verschiedene Formationen testen und die Einsatzzeiten der Stammkräfte dosieren, um die Belastung über das siebenwöchige Turnier zu verteilen. Das ist eine Strategie, die bei anderen Top-Nationen wie Frankreich und Spanien bereits Standard ist, bei Deutschland in der jüngsten Vergangenheit aber nicht immer konsequent umgesetzt wurde. Wenn Nagelsmann die Rotation wirklich durchzieht, kommt das DFB-Team frischer in die wichtige Phase des Turniers.

Eine Frage, die in den deutschen Medien bereits seit Monaten diskutiert wird, betrifft die Torwartposition. Mit mehreren möglichen Kandidaten für die Nummer eins steht Nagelsmann vor der Wahl, entweder auf Erfahrung oder auf Form zu setzen. Diese Entscheidung wird vor dem Turnierstart öffentlich fallen und hat direkten Einfluss auf die Defensivstabilität des Teams. Für Wettmärkte ist diese Entscheidung wichtig, weil ein unerwarteter Torwart-Wechsel vor dem ersten Spiel typischerweise die Quoten auf deutsche Sieg-zu-Null-Wetten beeinflusst.

Deutschland und Österreich — mögliche Wege zum Aufeinandertreffen

Ein Gedankenexperiment, das ich gerne durchspiele: Wie könnten sich die Wege von Deutschland und Österreich bei dieser WM kreuzen? Die Antwort ist komplex, weil das neue Turnierformat mit 12 Gruppen und einer Runde der 32 vor dem Achtelfinale ungewöhnliche Paarungen ermöglicht.

Deutschland wird als Gruppensieger in Gruppe E erwartet, Österreich als Zweiter oder Dritter in Gruppe J. Die Turnierstruktur sieht vor, dass Gruppensieger in der Runde der 32 auf Dritte oder auf schwächere Gruppenzweite treffen. Ein direktes Duell zwischen Deutschland und Österreich ist in der ersten K.-o.-Runde formal möglich, aber unwahrscheinlich. Realistischer wäre ein Aufeinandertreffen im Achtelfinale oder Viertelfinale, wenn beide Teams ihre jeweils ersten K.-o.-Spiele überstehen.

Ein solches Duell wäre für beide Nationen ein historisches Ereignis. Das letzte DFB-ÖFB-Duell bei einer Weltmeisterschaft liegt Jahrzehnte zurück und ist in der Erinnerung der Fans beider Länder fest verankert. Für Wettmärkte würde ein solches Aufeinandertreffen enorme Aufmerksamkeit erzeugen, weil die emotionale Komponente die rationale Quotenbewertung verzerren würde. Historisch tendieren Wettmärkte bei emotional aufgeladenen Spielen zur Überschätzung des sportlich unterlegenen Teams, weil viele Fans „mit dem Herzen“ tippen.

Meine persönliche Einschätzung: Ein DFB-ÖFB-Duell ist bei dieser WM unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Wer für den unwahrscheinlichen Fall eine Spezialwette sucht, findet bei einigen Anbietern die Option „Deutschland trifft in der K.-o.-Phase auf Österreich“ mit Quoten um 12,00 bis 15,00. Das ist eine Außenseiterwette, die für Fans beider Länder emotional reizvoll sein könnte, aber aus Value-Sicht keinen klaren Vorteil bietet.

Interessant ist auch der Blick auf die Spielplangestaltung. Deutschland wird seine Gruppenspiele voraussichtlich an Standorten austragen, die geografisch weit von den ÖFB-Spielorten entfernt liegen. Das bedeutet, dass die Wege der beiden Teams in der Gruppenphase völlig getrennt verlaufen und ein Aufeinandertreffen frühestens in der Runde der 32 möglich ist. Für Fans, die sich während der Gruppenphase auf beide Teams konzentrieren wollen, wird es zudem durch die unterschiedlichen Zeitzonen möglich, beide Mannschaften oft am selben Tag zu verfolgen — nur eben mit vielen Stunden Abstand.

Wettquoten für das DFB-Team

Zum konkreten Wettmarkt-Teil der Analyse. Deutschland wird bei den österreichischen Buchmachern aktuell mit Weltmeister-Quoten zwischen 10,00 und 13,00 gehandelt. Das entspricht einer impliziten Titelwahrscheinlichkeit von rund 8 bis 10 Prozent und platziert das DFB-Team im erweiterten Favoritenkreis, aber nicht in der absoluten Spitzengruppe. Aus meiner Sicht ist diese Einstufung fair: Deutschland hat den Kader für das Halbfinale, aber nicht automatisch für den Titel.

Der Gruppensieger-Markt für Gruppe E liegt bei Quoten um 1,40. Das entspricht rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit und halte ich für fair, weil die Elfenbeinküste und Ecuador beide das Potenzial haben, dem DFB-Team Punkte abzunehmen. Für konservative Tipper ist die Wette interessant, aber nicht reich an Value.

Der Markt „Deutschland erreicht das Halbfinale“ wird bei den meisten Anbietern zwischen 3,50 und 4,20 gehandelt. Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von 24 bis 28 Prozent und ist aus meiner Sicht leicht defensiv gehandelt. Meine persönliche Einschätzung liegt bei etwa 32 Prozent, was einen kleinen Value-Überhang ergibt. Für Tipper, die an das DFB-Team glauben, ist das einer der interessantesten Langzeitmärkte.

Im Torschützenkönig-Markt wird Musiala mit Quoten um 15,00 geführt, Wirtz mit Quoten um 25,00, Havertz mit Quoten um 30,00. Alle drei sind Außenseiter-Wetten mit Value-Potenzial, aber die deutschen Tore verteilen sich historisch auf mehrere Spieler, was die individuelle Top-Scorer-Chance reduziert. Wer trotzdem auf einen deutschen Spieler setzen will, empfehle ich Musiala wegen seiner größeren Einsatzzeit in der Offensivzentrale und wegen seines hohen Abschlussanteils im Klubfußball.

Ein interessanter Spezialmarkt ist „Deutschland gewinnt mindestens zwei Gruppenspiele zu Null“. Die Quote liegt bei etwa 2,80 und reflektiert die defensive Stärke, die in der Qualifikation sichtbar war. Für Tipper, die auf die verbesserte Defensive setzen, ist das eine der spannendsten Nebenwetten.

Auch die Wette „Deutschland erreicht das Viertelfinale“ verdient Beachtung. Die Quote liegt bei den meisten Anbietern zwischen 1,75 und 1,95, was rund 55 Prozent Wahrscheinlichkeit entspricht. Für Tipper, die konservativ vorgehen wollen und gleichzeitig an das DFB-Team glauben, ist das der wahrscheinlich solideste Ansatz. Ein Viertelfinaleinzug setzt voraus, dass Deutschland sowohl die Gruppenphase souverän übersteht als auch die Runde der 32 gegen einen Dritten aus einer anderen Gruppe gewinnt — beides sind Aufgaben, die dem aktuellen Kader zuzutrauen sind.

Ein letzter Markt, den ich empfehlen würde, ist die Doppelwette „Deutschland als Gruppensieger und Kai Havertz trifft mindestens einmal in der Gruppenphase“. Diese Kombinationswette wird mit Quoten um 2,30 angeboten und bietet ein faires Verhältnis zwischen Wahrscheinlichkeit und Auszahlung. Havertz hat in der Qualifikation mehrfach getroffen, und die Gruppenphase bietet ihm drei Chancen, sein Konto zu eröffnen. Wer an Havertz‘ Rolle als zentraler Angreifer glaubt, findet hier einen guten kalkulierten Value.

FAQ zum DFB-Team

Wer ist der Trainer der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026?
Julian Nagelsmann trainiert das DFB-Team seit Herbst 2023 und führte Deutschland bei der Heim-EM 2024 ins Viertelfinale. Sein System basiert auf einer Mischung aus Ballbesitz, aggressivem Pressing und vertikalem Umschalten und gilt als moderner Ansatz, der die junge deutsche Generation in den Mittelpunkt stellt.
In welcher Gruppe spielt Deutschland bei der WM 2026?
Deutschland wurde in Gruppe E gelost und trifft in der Vorrunde auf die Elfenbeinküste, Ecuador und Curaçao. Als Gruppensieger wird das DFB-Team bei den österreichischen Buchmachern mit einer Quote um 1,40 gehandelt, was einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent entspricht.

Meine Gesamteinschätzung zu Deutschland bei der WM 2026: Das DFB-Team hat unter Nagelsmann eine neue Identität gefunden und ist nach der EM 2024 deutlich reifer und stabiler geworden. Der Kader hat die nötige individuelle Qualität, um das Halbfinale zu erreichen, aber die absolute Weltklasse fehlt für einen selbstverständlichen Titel. Aus österreichischer Sicht ist Deutschland bei dieser WM ein Top-Team mit realistischen Chancen, aber keineswegs der Favorit. Meine empfohlenen Wettmärkte sind der Halbfinale-Markt und die Spezialwette auf defensive Stabilität in der Gruppenphase. Wer das DFB-Team nüchtern analysiert, findet hier ein Team mit hohem Potenzial, das aber in den wichtigen Momenten noch beweisen muss, dass die taktische Entwicklung auch gegen absolute Weltklasse funktioniert. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Nagelsmanns Arbeit ausreicht, um die Erwartungen der deutschen Öffentlichkeit zu erfüllen — und aus österreichischer Sicht wird man dieses Team genau beobachten, weil jede Niederlage oder jeder Erfolg des großen Nachbarn Gesprächsthema in Wien, Graz und Salzburg sein wird.