Frankreich bei der WM 2026: Mbappé, Deschamps und die Titelchancen

Französische Nationalspieler beim Pressing in dunkelblauen Trikots

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Inhaltsverzeichnis

„Wir reisen nach Amerika, um zu gewinnen, nicht um teilzunehmen“ — dieser Satz aus einer Didier-Deschamps-Pressekonferenz im Herbst 2025 fasst die Erwartungshaltung des amtierenden Vizeweltmeisters präzise zusammen. Frankreich kommt als das statistisch konstanteste Team des vergangenen Jahrzehnts zur WM 2026. Zwei Finalteilnahmen in Folge, ein Titelgewinn 2018, eine junge Generation, die den Übergang zur Ära nach Antoine Griezmann längst geschafft hat, und ein Trainer, der seit 2012 im Amt ist und damit zu den dienstältesten Nationaltrainern Europas gehört. Wer in einer ernsthaften Wettanalyse zur WM 2026 einen Top-Favoriten benennen muss, kommt an Les Bleus nicht vorbei. In diesem Profil analysiere ich, warum die Buchmacher Frankreich so hoch handeln, wo die statistischen Schwächen liegen und welche Wettmärkte aus meiner Sicht den besten Value bieten. Für österreichische Fans ist Frankreich doppelt interessant: Erstens als möglicher K.-o.-Gegner in der Runde der 32 oder im Achtelfinale, zweitens als Referenzpunkt für das eigene Favoritenniveau im Turnier. Wer verstehen will, wie groß der Abstand zwischen Weltklasse und Europas zweiter Reihe ist, bekommt am Beispiel Frankreich die nüchternste Antwort.

Souveräne UEFA-Qualifikation

Eine kurze Szene aus einem Qualifikationsspiel in Lyon, die mir im Gedächtnis geblieben ist: Kylian Mbappé läuft mit einer Lockerheit über den Platz, die an die WM 2018 erinnert, als er das Turnier als junger Shootingstar prägte. Acht Jahre später ist aus dem Talent ein Kapitän geworden, und die französische Qualifikation war weniger Wettkampf als Statement.

Frankreich beendete die UEFA-Qualifikation mit dem höchsten Punkteschnitt aller europäischen Gruppen. Die Mannschaft gewann sieben ihrer acht Spiele, das einzige Remis kam gegen Italien in einem dicht besetzten Auswärtsspiel in Mailand zustande. Mit einer Tor-Differenz von über plus zwanzig stellte Les Bleus zugleich die produktivste und eine der defensivstabilsten Auswahlen des Kontinents. Besonders bemerkenswert: Frankreich konnte in mehreren Qualifikationsspielen rotieren, ohne dass die Leistung sichtbar einbrach. Das ist ein Indikator für Kadertiefe, wie sie sonst nur Spanien und England auf europäischer Ebene aufweisen.

Statistisch interessant sind die xG-Werte. Frankreich erzeugte pro Spiel durchschnittlich 2,4 erwartete Tore bei nur 0,6 erwarteten Gegentoren. Diese Differenz ist beeindruckend und zeigt, dass Deschamps sein Team in einen Zustand gebracht hat, in dem es sowohl Chancen generiert als auch defensiv extrem wenig zulässt. In der Kombination mit einem Kader, der auf mehreren Positionen doppelt Weltklasse besetzt ist, ergibt das eine Turnierausgangslage, die nur wenige Teams mit dieser Souveränität für sich beanspruchen können.

Ein Aspekt, den ich in meinen Analysen nicht vernachlässige, ist die Konstanz der Leistungen über verschiedene Wettbewerbe hinweg. Frankreich hat seit 2018 in jedem großen Turnier mindestens das Viertelfinale erreicht und in den Finalspielen von 2018 und 2022 mit vollkommen unterschiedlichen Generationen überzeugt. Diese institutionelle Stabilität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer hervorragend strukturierten Nachwuchsarbeit des französischen Verbandes, die in Europa beispiellos ist.

Ein weiterer Befund aus den Qualifikationsdaten: Frankreich dominiert die meisten Spiele nicht durch übermäßigen Ballbesitz, sondern durch Chancenqualität. Der durchschnittliche Ballbesitz lag in der Qualifikation bei rund 55 Prozent, was für eine Top-Nation eher moderat ist. Gleichzeitig generierte das Team aber pro 100 Pässe im gegnerischen Drittel fast doppelt so viele xG wie der Qualifikationsdurchschnitt. Das ist ein technisches Merkmal, das Deschamps bewusst fördert: Weniger Kontrolle, mehr Effizienz. Gegner, die Frankreich den Ball überlassen, riskieren genau das — jeder französische Vorstoß endet mit höherer Wahrscheinlichkeit in einer hochwertigen Torchance als bei jedem anderen Top-Team.

Auch die Standardstatistik ist auffällig. Frankreich erzielte in der Qualifikation rund 25 Prozent seiner Tore aus ruhenden Bällen — ein hoher Anteil, der zeigt, dass Deschamps die Standardsituationen systematisch trainieren lässt und mit Saliba, Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté mehrere kopfballstarke Spieler zur Verfügung hat. Im Turnierkontext können Standards den Unterschied zwischen Viertelfinale und Halbfinale ausmachen, weil enge K.-o.-Spiele oft genau an solchen Details kippen.

Didier Deschamps und seine Ära

Eine persönliche Beobachtung: Didier Deschamps ist der am meisten unterschätzte Trainer im europäischen Spitzenfußball. In den Medien wird er oft als pragmatischer Defensivstratege abgetan, der das Talent seiner Spieler nur verwaltet. Wer sich aber die Entwicklung seiner Systeme über die vergangenen zwölf Jahre anschaut, erkennt einen Trainer, der sich stilistisch mehrfach neu erfunden hat — ohne je die defensive Grundstabilität aufzugeben.

Deschamps übernahm das Amt des französischen Nationaltrainers im Sommer 2012 und hat seitdem alle großen Turniere mit Frankreich erreicht. Sein Erfolg ist historisch einzigartig: Weltmeistertitel 2018, WM-Finale 2022, EM-Finale 2016. Kein aktiver Nationaltrainer in Europa hat eine vergleichbare Bilanz. Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, Spieler mit individueller Klasse in ein kollektives System einzubinden, ohne ihre Qualitäten zu beschneiden. Das ist im Profifußball viel schwieriger, als es klingt, weil Stars oft Freiheiten verlangen, die dem Kollektiv schaden.

Taktisch arbeitet Deschamps mit einer Basis-4-2-3-1-Formation, die je nach Gegner in ein 4-3-3 oder ein 3-4-3 umschaltet. Das System ist auf defensive Kompaktheit im Mittelfeld und schnelle Umschaltmomente ausgerichtet. Frankreich presst nicht in der Intensität eines Rangnick-Teams, sondern setzt auf kontrollierte Ballgewinne in der eigenen Hälfte und vertikale Pässe auf die schnellen Offensivspieler. Diese Ausrichtung macht das Team besonders gefährlich gegen offensiv ausgerichtete Gegner, weil jeder Ballverlust des Gegners in einen Konterangriff münden kann.

Eine Diskussion, die in Frankreich seit 2022 nicht verstummt, betrifft die Frage, ob Deschamps zu defensiv denkt. Kritiker werfen ihm vor, in wichtigen Spielen zu zögerlich zu coachen und das offensive Potenzial des Kaders nicht voll auszuschöpfen. Ich teile diese Kritik nicht: Deschamps gewinnt seit Jahren, und seine Erfolgsquote bei K.-o.-Spielen ist die beste aller europäischen Nationaltrainer. Im Ergebnisfußball zählt das Ergebnis, und Deschamps liefert.

Ein zweiter Punkt zu Deschamps ist sein Umgang mit jungen Spielern. Viele Trainer behaupten, Talente zu fördern, aber wenige integrieren sie tatsächlich in Schlüsselmomente. Deschamps hat 2018 Mbappé im Finale eingesetzt, 2022 Aurélien Tchouaméni in einer der wichtigsten Mittelfeldrollen, und er wird 2026 zeigen, ob er der nächsten Generation denselben Vertrauensvorschuss gibt. Spieler wie Michael Olise, Warren Zaïre-Emery und Bradley Barcola stehen bereit, und die Frage ist nicht mehr, ob sie Einsatzzeiten bekommen, sondern in welcher Rolle.

Ein dritter Aspekt, der mir bei Deschamps immer auffällt, ist seine mediale Ruhe. Während andere Nationaltrainer unter dem Druck großer Turniere rhetorisch stolpern, bleibt Deschamps konsequent auf derselben Tonlage: wenige Worte, klare Botschaften, keine Feindbilder in der Presse. Diese psychologische Stabilität überträgt sich erfahrungsgemäß auf die Mannschaft. In den Momenten, in denen andere Teams mental einbrechen — sei es nach einem Rückstand oder nach einem verschossenen Elfmeter — bleibt Frankreich auffällig gelassen. Das ist eines der wichtigsten Turnier-Assets, das man nicht auf einem Taktikboard sehen, sondern nur in Spielsituationen beobachten kann.

Schlüsselspieler

Ein Satz, der in der Analyse oft untergeht: Frankreich ist derzeit das Team mit der größten Ansammlung von Top-Spielern in Europa. Auf jeder Position gibt es mindestens zwei Spieler, die bei den meisten anderen Nationen unumstritten Stammkräfte wären. Vier Namen stehen aber trotzdem heraus.

Kylian Mbappé

Der Kapitän, der bei der WM 2026 mit 27 Jahren im besten fußballerischen Alter sein wird. Mbappé ist nach dem Wechsel zu Real Madrid noch einmal reifer geworden und verbindet seine bekannte Geschwindigkeit mit einer taktischen Intelligenz, die ihn vom reinen Tempo-Spieler zu einem kompletten Angreifer macht. Seine Torquote für die Nationalelf liegt bei über 0,6 Toren pro Spiel — ein Wert, den vor ihm nur Thierry Henry in ähnlicher Größenordnung erreichte. Für das Weltmeister-Szenario 2026 ist Mbappé der wichtigste Spieler des Turniers, weil seine Form die französische Titelchance unmittelbar beeinflusst.

Antoine Griezmann

Der letzte verbliebene Spieler aus der goldenen Generation 2018, der noch eine zentrale Rolle im aktuellen Kader spielt. Griezmann ist mit 35 Jahren nicht mehr der Dauerläufer früherer Jahre, aber seine Spielintelligenz und seine Rolle als verbindendes Element zwischen Mittelfeld und Angriff sind weiterhin unersetzlich. Deschamps wird ihn wahrscheinlich in einer hängenden Zehner-Rolle einsetzen, von der aus er das Spiel liest und die Offensivläufe der jüngeren Spieler vorbereitet.

Aurélien Tchouaméni

Der Mann im Zentrum, der sich in den vergangenen drei Jahren zu einem der besten defensiven Mittelfeldspieler Europas entwickelt hat. Tchouaméni verbindet Physis, Zweikampfstärke und präzises Kurzpassspiel auf einem Niveau, das ihn zum strukturellen Anker des Teams macht. Wer gegen Frankreich gewinnen will, muss entweder seine Laufwege kontrollieren oder ihn aus dem Spiel nehmen — beides ist schwierig und gelingt nur Weltklasse-Mittelfeldspielern.

William Saliba

Die Nummer eins der französischen Innenverteidigung und einer der besten defensiven Spieler seiner Generation. Saliba hat bei Arsenal gezeigt, dass er in der Premier League gegen die physisch anspruchsvollsten Stürmer der Welt bestehen kann, und diese Klasse überträgt er inzwischen problemlos auf die Nationalelf. Sein Zweikampfverhalten, seine Kopfballstärke und seine Spieleröffnung mit langen Diagonalbällen sind für das französische Umschaltspiel ein unterschätzter Faktor.

Ousmane Dembélé

Der Flügelspieler, dessen Rolle bei Frankreich sich in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Früher als unberechenbares Einzeltalent geführt, ist Dembélé unter Deschamps zu einem disziplinierten Offensiv-Spezialisten geworden, der neben Mbappé das zweite schnelle Angriffselement bildet. Seine Fähigkeit, mit beiden Füßen gleichwertig zu dribbeln, macht ihn für Innenverteidiger schwer ausrechenbar, und gegen physisch starke Gegner kann er allein durch seine Beweglichkeit Räume öffnen, die sonst verschlossen bleiben.

Taktische Ausrichtung und Formation

Eine Zahl, die mich in der letzten Deschamps-Ära besonders beschäftigt hat: 85 Prozent der französischen Tore in den vergangenen zwei Jahren entstanden innerhalb von sieben Sekunden nach einem Ballgewinn. Das sagt mehr über die französische Spielidee aus als jede taktische Grafik.

Frankreich ist eine Umschalt-Maschine. Das Team verbringt bewusst weniger Zeit in der Ballbesitzphase als Spanien oder Deutschland, erreicht aber trotzdem höhere Torgefährlichkeit, weil die Umschaltmomente mit extremer Effizienz genutzt werden. Diese Ausrichtung passt perfekt zu einem Kader, der mehrere extrem schnelle Offensivspieler hat — neben Mbappé auch Ousmane Dembélé und Michael Olise. Sobald Frankreich den Ball erobert, starten mindestens drei Spieler parallel den Vertikallauf, und das Mittelfeld spielt den ersten Vertikalpass ohne Umwege.

Die Grundformation ist variabel, aber das Muster bleibt gleich: Zwei Sechser (Tchouaméni und ein zweiter Mittelfeldspieler) sichern die Zentrale ab, eine offensive Dreierreihe aus Mbappé, Griezmann und einem Flügelspieler erzeugt den Druck, ein einziger Stürmer (meist Randal Kolo Muani oder Marcus Thuram) bindet die gegnerische Innenverteidigung. Gegen physisch starke Gegner kann Deschamps die Abwehr zu einer Dreierkette umbauen, ohne dass das Offensivprofil darunter leidet.

Eine taktische Stärke, die in Analysen wenig gewürdigt wird, ist die Raumkontrolle im eigenen Strafraum. Frankreich lässt gegnerische Schüsse fast ausschließlich aus suboptimalen Positionen zu. Der durchschnittliche xG-Wert pro Schuss, den Frankreich zulässt, liegt bei 0,08 — ein Spitzenwert auf europäischer Ebene. Das bedeutet in der Praxis: Wer gegen Frankreich ein Tor erzielen will, braucht entweder ein individuelles Kabinettstück oder eine Standardsituation. Klassische Spielzüge führen selten zum Erfolg.

Eine weitere taktische Feinheit ist das Verhalten der französischen Außenverteidiger. Anders als bei modernen Ballbesitzteams, bei denen die Außenverteidiger weit aufrücken und das Flügelspiel dominieren, bleiben die französischen Seitenverteidiger eher zurückhaltend. Theo Hernández auf der linken Seite ist die Ausnahme, die Regel ist jedoch defensive Absicherung. Dadurch bleibt die Abwehrkette in vielen Situationen kompakt, und Konter gegen Frankreich laufen fast immer in eine gut aufgestellte Fünfer- oder Sechser-Verteidigungsformation.

Im Ballbesitz zeigt Frankreich eine interessante Rhythmus-Variabilität. In der Aufbauphase spielt das Team bewusst langsamer, fast geduldig, und lockt den Gegner aus der Formation. Sobald sich im Mittelfeld eine Lücke öffnet, wechselt das Tempo schlagartig, und der Ball wandert in drei bis vier Pässen nach vorn. Dieser Rhythmuswechsel ist aus taktischer Sicht eine der schwierigsten Eigenschaften, gegen die man verteidigen muss, weil er das Timing der gegnerischen Pressingbewegungen gezielt bricht.

Frankreich bei den letzten WM-Turnieren

Eine historische Einordnung ist an dieser Stelle nicht nur sportgeschichtliches Beiwerk, sondern ein wichtiger Hinweis auf die aktuelle Erwartung. Frankreich hat die vergangenen beiden Weltmeisterschaften in ganz unterschiedlichen Varianten geprägt.

Bei der WM 2018 in Russland gewann Frankreich den Titel mit einem jungen Kader, in dem Mbappé als Teenager durchbrach und Paul Pogba das Mittelfeld dominierte. Das Finale gegen Kroatien endete 4:2, und das Turnier war für Deschamps die Krönung seiner Arbeit. Rückblickend war diese Mannschaft das, was man in der Fußballstatistik als „perfektes Turnier-Team“ bezeichnet: individuell stark, taktisch diszipliniert, mental belastbar.

Bei der WM 2022 in Katar scheiterte Frankreich erst im Finale an Argentinien nach einem dramatischen Spielverlauf und einem Hattrick von Mbappé. Das Team trat ohne mehrere Stammkräfte an (darunter Pogba und N’Golo Kanté), zeigte aber eine beeindruckende Resilienz und spielte sich mit kleineren Talenten ins Finale. Dass die Mannschaft trotz Ausfällen so weit kam, ist der beste Beleg für die Kadertiefe, auf die Deschamps zurückgreifen kann.

Für die WM 2026 bedeutet dieser historische Kontext zwei Dinge: Erstens ist Frankreich ein Team mit Turniererfahrung auf dem höchsten Niveau. Zweitens hat sich das Kernspielerprofil seit 2022 kaum verändert. Mbappé, Griezmann, Tchouaméni und Saliba waren bereits 2022 zentrale Figuren — 2026 sind sie es mit mehr Reife und in der absoluten Blüte ihrer Karriere. Die statistische Erwartung, dass Frankreich erneut mindestens das Viertelfinale erreicht, ist deshalb nicht übertrieben, sondern eine konservative Prognose.

Es lohnt sich aber auch, einen Blick auf die historischen Schwächen zu werfen. Bei der EM 2024 scheiterte Frankreich früher als erwartet, und zwar nicht an einem Top-Gegner, sondern an defensiv organisierten Außenseitern. Die Mannschaft hatte Schwierigkeiten, tief stehende Abwehrreihen zu knacken und verließ sich zu sehr auf individuelle Geistesblitze. Dieses Muster ist eine der wenigen echten Schwachstellen von Deschamps: Gegen Teams, die komplett auf Konter verzichten und sich hinten reinstellen, fehlt manchmal die spielerische Geduld. Bei der WM 2026 wird Frankreich in der Gruppenphase wahrscheinlich mindestens einen Gegner in genau diesem Modus treffen.

Ein weiterer historischer Vergleichspunkt ist die WM 2002 in Südkorea und Japan. Damals reiste Frankreich als Titelverteidiger an und schied in der Vorrunde aus, ohne ein einziges Tor zu erzielen. Auch wenn sich die Ausgangslage 2026 fundamental anders darstellt — kein Titelverteidiger, kein Ermüdungsüberhang aus einer langen Saison ohne Rotation — ist die Lektion aus 2002 relevant: Selbst die besten Teams können Turnier-Tiefschläge erleben, wenn Formkurve, Verletzungen und Spielplan ungünstig zusammenlaufen. Diese Einsicht sollte jeden Tipper davon abhalten, Frankreich als selbstverständliche Viertelfinalisten zu behandeln.

Wettquoten — Frankreich als Top-Favorit

Hier wird es für Tipper konkret. Ich erkläre Markt für Markt, wo Frankreich steht und wo ich Value sehe oder eben nicht.

Der Weltmeister-Markt handelt Frankreich bei den österreichischen Buchmachern aktuell zwischen 5,00 und 6,00. Das entspricht einer impliziten Titelwahrscheinlichkeit von rund 17 bis 20 Prozent. Frankreich ist damit bei den meisten Anbietern der klare Top-Favorit, noch vor Spanien, England und Argentinien. Aus meiner Sicht ist diese Einstufung korrekt, aber nicht zwingend value-reich: Wer auf Frankreich setzt, zahlt für die Konstanz und die Kadertiefe einen Preis, der wenig Raum für Zusatzgewinne lässt. Value-Sucher schauen sich andere Märkte an.

Der Markt „Frankreich erreicht das Finale“ liegt je nach Anbieter zwischen 2,30 und 2,60, was etwa 40 Prozent Wahrscheinlichkeit entspricht. Das ist aus meiner Sicht der fairste Wettmarkt auf Les Bleus: Die Mannschaft hat bei den vergangenen zwei Turnieren das Finale erreicht, und die Ausgangslage ist in beiden Fällen ähnlich gewesen. Wer an Frankreich glaubt, findet hier den solidesten Kurs.

Der Torschützenkönig-Markt wird von Mbappé mit Quoten um 5,50 angeführt, was ihn zum Top-Favoriten für den Goldenen Schuh 2026 macht. Aus meiner Sicht ist diese Quote fair bis leicht überbewertet, weil ein Torschützenkönig historisch oft aus einem überraschenden Team kommt. Trotzdem wäre Mbappé mein erster Tipp auf den Markt, weil er das einzige Top-Talent ist, das sowohl die individuelle Klasse als auch das Team-Umfeld hat, um fünf bis sieben Turniertore zu erzielen.

Ein interessanter Nebenmarkt ist „Frankreich und Spanien beide im Halbfinale“. Hier werden Quoten um 3,80 angeboten, was einer Wahrscheinlichkeit von 26 Prozent entspricht. Historisch erreichen die beiden Top-Nationen oft gemeinsam die Halbfinals, und statistisch halte ich die Quote für leicht defensiv gehandelt. Wer an beide Nationen glaubt, findet hier einen validen Value-Wert.

Nicht zu vergessen ist der Markt „Frankreich holt kein Gegentor in der Gruppenphase“. Die Quote liegt bei etwa 3,50 und reflektiert die hohe defensive Konstanz. Bei den vergangenen Turnieren hat Frankreich wiederholt zwei der drei Gruppenspiele ohne Gegentor beendet. Wer auf konservative Defensiv-Wetten setzt, findet hier eine interessante Nebenwette mit akzeptablem Wahrscheinlichkeitsprofil.

Ein letzter Markt, den ich häufig empfehle, ist „Frankreich erreicht das Halbfinale“. Die Quote liegt zwischen 1,75 und 1,90, was rund 55 Prozent Wahrscheinlichkeit entspricht. Historisch hat Frankreich diesen Meilenstein bei den meisten großen Turnieren der vergangenen Jahre erreicht, und statistisch würde ich die Wahrscheinlichkeit eher zwischen 58 und 62 Prozent einordnen. Das ist kein großer Value-Überschuss, aber im Gegensatz zum engen Gruppensieger-Markt bietet er eine sinnvolle Rendite pro eingesetztem Euro. Für konservative Tipper, die auf Konstanz statt Risiko setzen, halte ich diese Wette für einen der sinnvollsten Einstiege in die Frankreich-Märkte.

Noch ein Wort zur Einsatzplanung bei Wetten auf einen Top-Favoriten wie Frankreich: Wer auf Outright-Märkte wie Weltmeister oder Halbfinale setzt, bindet sein Kapital für mehrere Wochen. Das ist kein Problem, wenn der Einsatz Teil einer strukturierten Bankroll-Strategie ist, wird aber zum Risiko, wenn jemand impulsiv tippt. Ich empfehle bei Langzeitwetten, den Einsatz auf maximal fünf Prozent der verfügbaren Wettkasse zu begrenzen und keine Emotionswetten auf den „Bauchgefühl-Favoriten“ zu tätigen. Verantwortungsvolles Spielen beginnt bei der Einsatzgröße, und das gilt für jeden Markt, auch bei den vermeintlich sicheren Top-Teams.

FAQ zu Frankreich

Wer ist der Trainer der französischen Nationalelf bei der WM 2026?
Didier Deschamps trainiert Les Bleus seit 2012 und ist damit einer der dienstältesten Nationaltrainer Europas. Unter seiner Führung gewann Frankreich den WM-Titel 2018 und erreichte das Finale der WM 2022 sowie das EM-Finale 2016. Er gilt als der erfolgreichste französische Nationaltrainer der Fußballgeschichte.
Wie hoch stehen die Quoten auf Frankreich als Weltmeister 2026?
Die Weltmeister-Quoten auf Frankreich liegen bei österreichischen Buchmachern zwischen 5,00 und 6,00, was einer impliziten Titelwahrscheinlichkeit von rund 17 bis 20 Prozent entspricht. Frankreich ist damit bei den meisten Anbietern der klare Top-Favorit des Turniers.

Meine Gesamteinschätzung zu Frankreich bei der WM 2026: Les Bleus sind das Team mit dem kompletten Profil. Kadertiefe, Trainer-Erfahrung, individuelle Klasse, taktische Flexibilität und Turnierreife ergeben die solideste Ausgangslage aller Teilnehmer. Wer auf einen klaren Titelfavoriten tippen will, findet hier den sichersten Kandidaten, aber eben auch die niedrigsten Quoten. Für mich persönlich liegt der beste Wert im Finale-Erreichen-Markt und in der Torschützenkönig-Wette auf Mbappé. Wer Frankreich unterschätzt, unterschätzt die vergangenen zehn Jahre europäischer Fußball-Konstanz. Wer Frankreich überschätzt, ignoriert die historische Regel, dass auch die besten Teams in K.-o.-Runden gelegentlich an kleinen Details scheitern. Die Mitte zwischen beiden Haltungen ist die vernünftigste Basis für jede Wettentscheidung rund um Les Bleus.