Die Gruppen der WM 2026: Alle zwölf Vorrundengruppen im Detail

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Am 5. Dezember 2025 fiel in Las Vegas die Auslosung für das erste 48-Teams-Turnier der WM-Geschichte, und noch am selben Abend wurden in der TORWERK-Redaktion die ersten Modelle neu gerechnet. Zwölf Gruppen mit je vier Mannschaften, 48 Teilnehmer, rund 95 Millionen Fernsehzuschauer allein bei der Auslosungsshow: Das ist kein routinemäßiger Vorgang mehr, das ist ein Ereignis für sich. Und weil die Gruppen das sportliche Fundament jeder WM sind, widme ich ihnen diese Seite.
Ich bin ein Chefanalyst bei TORWERK 26, und die Fragen, die mir in den Wochen nach der Auslosung am häufigsten gestellt wurden, lauteten fast wörtlich gleich: Wie ist unsere Gruppe? Wer sind die Todesgruppen? Wer kommt aus Gruppe J weiter? Diese Seite ist mein Versuch, diese drei Fragen in ihrer Breite zu beantworten, ohne in die Oberflächlichkeit eines Executive Summary zu verfallen.
Ich führe Sie durch die Auslosung, gebe einen strukturierten Überblick über alle zwölf Gruppen, analysiere die schwersten und leichtesten Pools, widme Gruppe J ein eigenes Kapitel und erkläre zum Abschluss, wie das Aufstiegsformat mit 32 Teams in der Runde der Sechzehnerpaarungen funktioniert. Am Ende gibt es Richtwerte für Gruppensieger-Quoten und die üblichen FAQ-Antworten. Los geht’s.
Die Auslosung vom 5. Dezember 2025 — Prozedur und Lostöpfe

Die Auslosung einer Weltmeisterschaft ist ein hochchoreografiertes Ritual, bei dem sportliche Ernsthaftigkeit und Unterhaltungselemente in einer Mischung präsentiert werden, die für manche Fans zu sehr nach Showbühne aussieht. Ich verstehe die Kritik, aber die Prozedur selbst ist klar und transparent, und genau diese Transparenz ist das Wichtigste.
Die 48 Teilnehmer wurden in vier Lostöpfe zu je zwölf Mannschaften eingeteilt, wobei die Verteilung auf Basis der FIFA-Weltrangliste vom November 2025 erfolgte. Topf eins enthielt die drei Gastgeber USA, Kanada und Mexiko plus die neun bestplatzierten Teams der Weltrangliste. Topf zwei die nächsten zwölf, Topf drei die darauffolgenden zwölf und Topf vier die zwölf Mannschaften mit den schwächsten FIFA-Werten plus die Plätze für die Playoff-Sieger, deren Namen zum Zeitpunkt der Auslosung noch nicht feststanden.
Die zentrale Regel war simpel: Aus jedem Topf wird ein Team pro Gruppe gezogen, das heißt jede Gruppe enthält genau einen Setzkopf aus Topf eins und je einen Vertreter aus den Töpfen zwei, drei und vier. Dazu kamen zwei Einschränkungen. Erstens: Keine Gruppe darf mehr als zwei europäische Mannschaften enthalten. Zweitens: Aus allen anderen Konföderationen darf jeweils nur ein Team pro Gruppe gesetzt werden. Diese Regeln sorgen dafür, dass sich keine reine Europa-Gruppe bildet und dass geografische Reisen einigermaßen ausgeglichen verteilt werden.
Die Auslosung selbst lief in Las Vegas im Peacock Theater, moderiert von einem internationalen Trio. Zuerst wurden die Gastgeber in ihre vordefinierten Gruppen einsortiert: Mexiko in Gruppe A, Kanada in Gruppe B, USA in Gruppe D. Dann folgten die restlichen Teams aus Topf eins, die auf die übrigen Gruppen verteilt wurden, und schließlich Topf zwei, drei und vier nacheinander. Jede Kugel enthielt einen kleinen Zettel mit dem Ländernamen, jede Gruppe wurde per Kugel bestimmt, und die prominenten Helfer auf der Bühne zogen jeweils den nächsten Teilnehmer.
Als die Kugel mit Österreich gezogen und Gruppe J zugeordnet wurde, begann das, was wir im Redaktionsbüro halb im Spaß „die Sekunde des Schicksals“ nennen. Eine Mannschaft aus Topf drei fällt in eine Gruppe, die bereits einen Setzkopf hat, und in diesem Moment entscheidet sich, welches Jahr für das Team mit welcher emotionalen Färbung endet. Bei Österreich in Gruppe J war klar: Schwer, aber machbar. Hätten wir stattdessen Frankreich, Kroatien und Senegal gezogen, hätte ich denselben Satz mit deutlich mehr Resignation gesagt.
Ein letzter technischer Hinweis zur Auslosung: Zum Zeitpunkt des Ziehens standen die sechs Playoff-Sieger aus Europa und aus dem interkontinentalen Playoff noch nicht fest. Die Plätze in den Gruppen H, I und anderen wurden mit Platzhaltern vergeben, und erst nach dem März 2026 wurde bekannt, dass Bosnien-Herzegowina, Tschechien, Schweden und die Türkei die europäischen Playoff-Tickets holten und dass die interkontinentalen Plätze an die beiden verbliebenen Kandidaten gingen.
Alle zwölf Gruppen auf einen Blick
Wer sich vor einem Turnier einen Eindruck der Kräfteverhältnisse verschaffen will, schaut sich zuerst die Gruppen in einer einzigen Tabelle an. Das ist nicht nur übersichtlich, sondern auch fair: Jede Gruppe hat denselben Platz, und keine Mannschaft wird durch die Reihenfolge bevorzugt. Hier ist die vollständige Übersicht, wie sie nach der Auslosung und nach Abschluss der Playoffs feststeht.
| Gruppe | Setzkopf | Topf 2 | Topf 3 | Topf 4 |
|---|---|---|---|---|
| A | Mexiko | Südkorea | Tschechien | Südafrika |
| B | Kanada | Schweiz | Katar | Bosnien-Herzegowina |
| C | Brasilien | Marokko | Schottland | Haiti |
| D | USA | Türkei | Australien | Paraguay |
| E | Deutschland | Elfenbeinküste | Ecuador | Curaçao |
| F | Niederlande | Japan | Schweden | Tunesien |
| G | Belgien | Iran | Ägypten | Neuseeland |
| H | Spanien | Saudi-Arabien | Kap Verde | Playoff-Sieger |
| I | Norwegen | Serbien | Senegal | Playoff-Sieger |
| J | Argentinien | Algerien | Österreich | Jordanien |
| K | Portugal | Kolumbien | DR Kongo | Usbekistan |
| L | England | Ghana | Irak | Panama |
Die zwölf Setzköpfe geben einen ersten Eindruck von der Spitzenstruktur der WM 2026. Acht der zwölf Gruppen haben einen europäischen Topfavoriten an der Spitze, die übrigen vier werden von südamerikanischen oder nordamerikanischen Mannschaften angeführt. Diese Verteilung spiegelt die traditionelle Dominanz des europäischen und südamerikanischen Fußballs wider, die sich in der jetzigen Weltrangliste kaum verändert hat.
Betrachtet man die zwölf Gruppen nach ihrem Schwierigkeitsgrad, lässt sich eine grobe Dreiteilung vornehmen. Gruppen A, B und L gelten als vergleichsweise offen, weil die Setzköpfe zwar solide, aber nicht in der absoluten Weltspitze rangieren. Gruppen C, F, J und K werden als anspruchsvoll eingeschätzt, weil mindestens zwei Mannschaften aus dem Kreis der plausiblen Aufsteiger vorhanden sind. Gruppen D, E, G, H und I liegen dazwischen, also Standard-WM-Gruppen mit einem klaren Favoriten und einem offenen Rennen um den zweiten Platz.
Was in dieser Tabelle nicht sichtbar ist: Die regionale Verteilung der Spielorte pro Gruppe. Manche Gruppen spielen alle drei Spieltage im Nordosten der USA, andere ziehen quer durch den Kontinent. Österreichs Gruppe J beispielsweise spielt in drei verschiedenen Zeitzonen an drei Spielorten, die jeweils tausende Kilometer auseinanderliegen. Diese geografische Zerrissenheit ist für die Teams physisch und organisatorisch eine spürbare Belastung.
Ein weiterer Punkt zur Gesamtübersicht: Die Mannschaften aus Topf vier sind nicht automatisch chancenlos. Bosnien-Herzegowina, Tunesien, Senegal und Paraguay haben jeweils Qualitäten, die sie in bestimmten Paarungen zu echten Bedrohungen machen. Wer seine Wettanalyse mit der Annahme beginnt, dass die Teams aus Topf vier reine Statisten wären, wird im Turnier böse überrascht werden.
Noch eine Anmerkung zur Reiseverteilung: Die FIFA hat bei der Erstellung des Spielplans versucht, jedem Team möglichst kurze Wege zuzuweisen. Für die Topfavoriten und Gastgeber hat das weitgehend funktioniert, für Mannschaften aus Topf drei oder vier eher weniger. Gruppe J ist ein Paradebeispiel für eine Gruppe mit breiter geografischer Streuung. Auch Gruppe K mit Portugal, Kolumbien, DR Kongo und Usbekistan spielt über mehrere Zeitzonen hinweg, weil die Spielorte von San Francisco bis Philadelphia reichen. Wer die physische Belastung der Teams mit in die Quotenbewertung einrechnen will, muss diese Reisewege berücksichtigen.
Ein Detail, das in den meisten Übersichtstabellen untergeht, sind die ersten Spieltage. Die FIFA verteilt die Auftaktspiele über mehrere Tage, sodass am ersten offiziellen Spieltag nicht alle zwölf Gruppen auf einmal starten. Das erzeugt einen Rhythmus, in dem sich die Eröffnung über rund fünf Tage streckt. Für Fans, die möglichst viele Spiele live sehen wollen, ist das vorteilhaft, weil nicht alle wichtigen Partien gleichzeitig laufen. Für Analysten wie mich bedeutet es, dass die ersten Momentaufnahmen eines Teams zeitlich versetzt entstehen und Vergleiche zwischen den Gruppen am ersten Spieltag mit Vorsicht zu genießen sind.
Todesgruppen und leichte Gruppen — wo es eng wird
Der Begriff „Todesgruppe“ ist in der Fußball-Publizistik fast so alt wie die WM selbst und bezeichnet eine Vorrunde, in der mehrere große Nationen aufeinandertreffen und bei der sportlich qualifizierte Teams früh ausscheiden müssen. Bei der WM 2026 gibt es keine klassische Todesgruppe im engsten Sinn, aber es gibt mehrere Pools, bei denen ich genauer hinschaue.
Gruppe C mit Brasilien, Marokko, Schottland und Haiti ist für mich der heißeste Kandidat. Brasilien ist klarer Favorit, Marokko nach dem Halbfinale 2022 aber kein Außenseiter mehr, und Schottland, obwohl seit Jahrzehnten nicht mehr bei einer WM, hat in der UEFA-Qualifikation stabile Leistungen gezeigt. Haiti ist Debütant nach 52 Jahren Pause und bringt den Überraschungsfaktor mit, den man in keiner Gruppenphase ausblenden sollte. Eine Partie Marokko gegen Schottland könnte am zweiten oder dritten Spieltag über den zweiten Aufstiegsplatz entscheiden, und das ist genau die Sorte Duell, vor der ich bei meinen Modellen besonders vorsichtig bin.
Gruppe F mit den Niederlanden, Japan, Schweden und Tunesien ist der zweite Kandidat für einen Titel „Gruppe des Todes“. Die Niederlande sind Setzkopf, aber sie treffen mit Japan auf eine der technisch feinsten Mannschaften Asiens, mit Schweden auf ein traditionsreiches skandinavisches Team und mit Tunesien auf einen afrikanischen Vertreter mit Turnier-Erfahrung. Für die Niederlande ist der Gruppensieg kein Selbstläufer, und ich halte es für möglich, dass Japan ihnen hier die Pole Position streitig macht.
Gruppe K mit Portugal, Kolumbien, der DR Kongo und Usbekistan ist ein weiterer Pool, der es in sich hat. Portugal ist klarer Favorit, aber Kolumbien hat bei den letzten Turnieren regelmäßig in die K.-o.-Phase gespielt und bringt mit Luis Díaz, James Rodríguez und Richard Ríos drei Spieler mit internationaler Klasse mit. Die DR Kongo ist ein afrikanischer Vertreter mit Überraschungspotenzial, Usbekistan der Debütant. Die Partie Portugal gegen Kolumbien wird ein Spiel auf Augenhöhe, und das allein macht diese Gruppe zu einem Hotspot.
Auf der anderen Seite gibt es Gruppen, die in meinen Modellen als vergleichsweise offen gelten. Gruppe B mit Kanada, der Schweiz, Katar und Bosnien-Herzegowina hat keinen überragenden Spitzenkandidaten. Gastgeber Kanada profitiert vom Heimvorteil, die Schweiz ist das in meinen Modellen sportlich stärkste Team, Katar spielt als WM-Gastgeber 2022 immer noch mit einem gewissen Heimturnier-Kapital, und Bosnien-Herzegowina hat in den europäischen Playoffs bewiesen, dass es auf Druck stabil liefern kann. Welche zwei Teams hier weiterkommen, ist für mich schwer vorhersehbar, und genau solche offenen Gruppen sind für erfahrene Tipper ein Hotspot für Value-Wetten.
Gruppe A mit Mexiko, Südkorea, Tschechien und Südafrika ist eine weitere vergleichsweise offene Vorrunde. Mexiko ist Gastgeber und klarer Favorit, die drei Konkurrenten aber alle mit spielerischen Qualitäten versehen, die an einem guten Tag für den Zweitplatzierten reichen könnten.
Mein Fazit: Gruppen C und F sind die ärgsten Kandidaten für den Titel Todesgruppe, Gruppen B und A die potenziell offensten Pools. Alle anderen liegen im Mittelfeld, mit Gruppe J in einer Sonderposition wegen der österreichischen Perspektive, auf die ich gleich im Detail eingehe.
Ein weiterer Gedanke zu Gruppe H, die ich in der Hauptanalyse bewusst noch nicht eingeordnet habe. Mit Spanien, Saudi-Arabien, Kap Verde und dem Playoff-Sieger ergibt sich eine Mischung aus klarem Favoriten und drei Underdogs mit sehr unterschiedlichem Charakter. Saudi-Arabien hat 2022 in Katar Argentinien geschlagen und wird niemand mehr als Statist abhaken. Kap Verde ist WM-Debütant und bringt die Euphorie eines Ersttäters mit. Der Playoff-Sieger bringt die Qualität eines Teams mit, das unter Druck geliefert hat. Spanien ist klarer Favorit, aber der zweite Platz ist komplett offen, und diese Unvorhersehbarkeit macht Gruppe H zu einer stillen Kandidatin für Überraschungen.
Gruppe L mit England, Ghana, Irak und Panama habe ich im Guide-Artikel bereits als Falle des zweiten Spieltags beschrieben. Für die Gruppen-Analyse lohnt es, den Gedanken zu wiederholen: England wirkt gesetzt, aber Ghana ist ein afrikanischer Vertreter mit WM-Erfahrung, Panama hat 2018 seine Premiere erlebt und Irak methodisch aufgebaut. Die Wahrscheinlichkeit, dass England Gruppensieger wird, ist hoch. Die Wahrscheinlichkeit, dass England alle drei Spiele gewinnt, ist es nicht. Genau dieser Unterschied ist für Tipper relevant.
Gruppe J — der österreichische Weg zur K.-o.-Phase
Wenn ich heute auf die Gruppen schaue, bleibt mein Blick länger auf J hängen als auf jeder anderen. Das ist keine Sentimentalität, das ist journalistische Pflicht: Für die österreichische Leserschaft ist Gruppe J die einzige Gruppe, die von Anfang bis Ende emotional berührt. Hier ist die strukturierte Analyse der vier Mannschaften plus meine persönliche Einschätzung der Aufstiegschancen.

Argentinien
Der amtierende Weltmeister ist Setzkopf der Gruppe und klarer Favorit. Die Mannschaft um Lionel Messi, Julián Álvarez, Alexis Mac Allister und Enzo Fernández hat 2022 in Katar den Titel geholt und ihren Status seitdem verteidigt. In der CONMEBOL-Qualifikation setzte sich Argentinien souverän durch, wenn auch mit einigen wackligen Phasen. Die Schwäche Argentiniens bei der WM 2026 ist aus meiner Sicht weniger die sportliche als die belastungstechnische: Der Kader ist nicht mehr der jüngste, Messi wird 38, und die drei Spiele in drei verschiedenen US-Städten sind ein logistischer Brocken, den auch Weltmeister spüren. Für Österreich bedeutet das: Ein Sieg ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Ein Remis ist nach meinen Modellen zu rund 20 Prozent wahrscheinlich, ein Sieg zu etwa 18 Prozent.
Algerien
Die Fennecs sind das zweite Team aus Topf zwei und kommen als nordafrikanischer Mittelklasse-Vertreter ins Turnier. Die Qualifikation gelang über die CAF-Gruppenphase. Der Kader verfügt mit Riyad Mahrez und einigen weiteren in europäischen Topligen aktiven Spielern über internationale Klasse, ist aber nicht so tief besetzt wie jene großer Nationen. Für Österreich ist Algerien der interessanteste Gegner, weil die Partie rein sportlich auf Augenhöhe steht. Meine Wahrscheinlichkeits-Einschätzung: ÖFB-Sieg 38 Prozent, Remis 28 Prozent, Algerien-Sieg 34 Prozent. Das ist praktisch eine Dreifachchance, und genau darum wird das Spiel so wichtig.
Ein historischer Schatten liegt über dieser Partie. 1982 trafen Österreich und Algerien erstmals bei einer WM aufeinander, und sie tun es 2026 zum zweiten Mal. Das berühmte Spiel von Gijón zwischen Deutschland und Österreich im selben Turnier kostete damals Algerien den Einzug in die zweite Runde. Das Team wurde Opfer einer Absprache, die nie bewiesen, aber allgemein als Schande im Gedächtnis geblieben ist. 44 Jahre später gibt die WM 2026 den beiden Nationen eine neue Begegnung, und der historische Hintergrund verleiht dem Spiel eine emotionale Dimension, die weit über die sportliche hinausgeht.
Österreich
Das ÖFB-Team kommt als Sieger der UEFA-Qualifikationsgruppe H nach 28 Jahren Pause ins Turnier. Unter Ralf Rangnick hat die Mannschaft eine taktische Identität gefunden, die auf Pressing, schnellen Umschaltphasen und hoher Intensität basiert. David Alaba ist Kapitän, Marko Arnautović mit acht Toren Topscorer der Qualifikation, Marcel Sabitzer und Konrad Laimer prägen das Mittelfeld. Die Mannschaft ist kein Außenseiter ohne Chancen, sondern ein mutiger Mittelklasse-Vertreter mit dem klaren Ziel, die Gruppenphase zu überstehen.
Jordanien
Jordanien ist der WM-Debütant in Gruppe J und aus Topf vier. Die Qualifikation gelang über die AFC, und das Team bringt einige Spieler mit Erfahrung in nahöstlichen Profiligen und vereinzelt europäischen Zweitligen mit. Sportlich ist Jordanien der schwächste Gegner der Gruppe, aber das Etikett „schwächster“ ist tückisch. Bei einem WM-Debüt spielen Debütanten erfahrungsgemäß mit einer Mischung aus Unbefangenheit und Hunger, die sie gefährlich macht. Für Österreich ist ein Sieg im Eröffnungsspiel am 17. Juni trotzdem fast verpflichtend. Die Wahrscheinlichkeit liegt nach meinen Modellen bei rund 62 Prozent, ein Remis bei 23 Prozent, ein Sieg Jordaniens bei 15 Prozent.
Wie sieht der Aufstiegsweg für Österreich konkret aus? Ich rechne mit folgender Erwartung: ein Sieg gegen Jordanien, ein knappes Spiel gegen Algerien mit offenem Ausgang und eine Niederlage gegen Argentinien. Das wären in der optimistischsten Variante sechs Punkte bei einem Algerien-Sieg, vier Punkte bei einem Remis gegen Algerien. Mit vier Punkten wäre der Sprung in die Runde der 32 über einen der acht besten Dritten-Plätze realistisch, mit sechs Punkten sogar der direkte Gruppenzweite. Ein dritter Platz mit nur drei Punkten würde bei der Drittplatzierten-Rangliste wahrscheinlich nicht reichen.
Die Gruppe wird auf drei Partien und auf zwei Schlüsselmomente hinauslaufen: Das Spiel gegen Algerien als sportliches Herzstück, und den letzten Gruppenspieltag als rechnerischen Showdown. Wer sich die Tabelle der Gruppe J vor dem dritten Spieltag anschaut, weiß dann genau, was das ÖFB-Team für den Aufstieg braucht. Genau diese Klarheit macht das neue 48er-Format spannend: Es gibt den Mannschaften aus dem Mittelfeld mehr realistische Aufstiegswege als das alte Format.
Einen letzten Gedanken verdient der Zeitplan innerhalb der Gruppe. Österreich startet mit dem leichtesten Gegner, folgt mit dem schwersten und schließt mit dem offensten Spiel ab. Das ist dramaturgisch ideal: Die Mannschaft kann mit einem Erfolgserlebnis gegen Jordanien ins Turnier kommen, bringt sich danach im Spiel gegen Argentinien an die physische Grenze und muss am dritten Spieltag gegen Algerien mit möglichst viel Kraft aus dem vorletzten Match ins Entscheidungsspiel gehen. Diese Reihenfolge entspricht ungefähr dem, was ein Trainer sich wünschen würde, wenn er sie selbst aussuchen dürfte.
Aus Wettperspektive ergibt sich aus dieser Reihenfolge eine klare Empfehlung: Wer Einsätze zum ÖFB-Team plant, sollte sie nicht alle auf ein einzelnes Spiel legen. Eine Verteilung über alle drei Partien, mit unterschiedlichen Wettarten je nach Spielcharakter, ist rationaler als ein einzelner großer Tipp auf einen konkreten Ausgang. Ein Pre-Match-Tipp auf Österreich Sieg gegen Jordanien, eine konservative Wette auf Über/Unter bei Argentinien gegen Österreich und ein mutiger Doppel-Chance-Tipp gegen Algerien bilden zusammen ein rundes Turnierpaket, das emotional wie finanziell ausbalanciert ist.
Aufstiegsregeln: Wer kommt aus zwölf Gruppen in die K.-o.-Runde?
Das neue Aufstiegsformat ist die mathematisch interessanteste Neuerung der WM 2026. Wer es verstanden hat, liest am dritten Gruppenspieltag die Parallelstände wie einen Vorspann zum eigenen Thriller. Wer es nicht verstanden hat, staunt am Ende, warum ein Team mit drei Punkten weiterkommt und ein anderes mit vier Punkten raus ist.
Die Grundregel ist einfach: Die beiden Erstplatzierten jeder der zwölf Gruppen sind automatisch in der Runde der 32. Das ergibt 24 sichere Aufsteiger. Die verbleibenden acht Plätze gehen an die acht besten Drittplatzierten aller Gruppen. Zu beachten ist, dass es zwölf Drittplatzierte gibt, acht davon kommen weiter, vier scheiden aus. Die Auswahl erfolgt über ein striktes Ranking nach Punkten, dann Tordifferenz, dann erzielte Tore, dann Fair-Play-Wertung und schließlich per Losentscheid.
Was bedeutet das in der Praxis? Ein Team, das seine Gruppe mit fünf oder sechs Punkten als Dritter abschließt, hat hervorragende Chancen weiterzukommen. Ein Team mit vier Punkten ist auf der Kippe, je nach den Ergebnissen in den anderen Gruppen. Ein Team mit drei Punkten wird nur in absoluten Ausnahmefällen über die Drittplatzierten-Rangliste weiterkommen, weil in mindestens acht Gruppen voraussichtlich ein Dritter mit vier oder mehr Punkten geparkt sein wird.
Die Paarungen in der Runde der 32 werden nach einem festgelegten Schlüssel bestimmt, der Gruppensieger gegen die besten Drittplatzierten oder gegen schwächere Gruppenzweite antreten lässt. Der genaue Schlüssel ist in den FIFA-Regularien festgelegt, damit es keine Willkür und keine Absprachen geben kann. Für die Teams bedeutet das: Es zahlt sich aus, die Gruppe als Erster statt als Zweiter oder Dritter abzuschließen, weil ein Gruppensieger in der Runde der 32 auf einen statistisch schwächeren Gegner trifft.
Für Österreich ergibt sich daraus eine konkrete strategische Überlegung. Wenn das Team mit vier Punkten Dritter wird, muss es hoffen, dass maximal sieben andere Drittplatzierte ebenfalls vier Punkte oder mehr haben. Mit fünf Punkten ist der Aufstieg fast sicher, mit drei Punkten fast ausgeschlossen. Genau diese mathematische Klarheit macht das Fußball-Turnier für Tipper interessant: Die Bedingungen sind rechnerbar, und die Quoten bei Buchmachern spiegeln diese Rechnung in der Regel präzise wider.
Eine wichtige Folge des neuen Formats: Das dritte Gruppenspiel hat rechnerisch ein größeres Gewicht als früher. Im alten 32er-Format war klar, dass nur die beiden Erstplatzierten weiterkommen. Wer in den ersten beiden Spielen sechs Punkte holte, konnte sich das dritte sparen. Im neuen Format kann auch ein Dritter weiterkommen, und deshalb lohnt es sich fast immer, auch im letzten Spiel um jedes Tor zu kämpfen. Das erhöht die sportliche Integrität der Gruppenphase und verringert gleichzeitig das Risiko unschöner Absprachen zwischen zwei Teams, die sich auf ein bequemes Ergebnis einigen könnten.
Ein weiterer Effekt, der aus meiner Sicht noch wichtiger ist: Die Quoten am dritten Spieltag werden aktiver gehandelt. Bei einem klassischen 32er-Turnier waren die letzten Gruppenspiele oft quotenmäßig uninteressant, weil klar war, wer weiterkommt. Im neuen Format bleibt die Unsicherheit länger bestehen, und genau in dieser Unsicherheit liegt für Tipper Value. Wer am Vormittag des dritten Spieltags die Tabellen aller Gruppen durchgeht, sieht auf einen Blick, welche Mannschaften unter Druck stehen und welche mit Ballbesitzfußball ein Remis verwalten würden. Aus dieser Beobachtung lassen sich nach meiner Erfahrung oft die besten Wetten des ganzen Turniers ableiten.
Noch ein Randaspekt: Die Drittplatzierten-Rangliste wurde bereits bei der WM 1986 verwendet, damals in einem 24er-Format, und sie bewährte sich als faires Kriterium. Die Rückkehr zu diesem Format nach 40 Jahren ist kein Rückschritt, sondern eine Weiterentwicklung. Die FIFA hat aus den Erfahrungen der 1980er gelernt und das Regelwerk entsprechend präzisiert. Wer sich für die historischen Vorbilder des heutigen Formats interessiert, findet in den Ergebnissen der WMs von 1986 und 1990 faszinierende Parallelen zu den Dramaturgien, die uns bei der WM 2026 bevorstehen.
Gruppensieger-Quoten aller Gruppen
Die Gruppensieger-Wette ist einer der interessantesten Outright-Märkte der Vorrunde. Sie ist kürzer gebunden als die Weltmeister-Wette, und bei vielen Gruppen liegen die Quoten der Kandidaten nah beieinander, was Value-Sucher anzieht. Hier sind meine Richtwerte für die zwölf Gruppensieger-Quoten, basierend auf dem aktuellen Marktbild.
| Gruppe | Favorit | Quote Richtwert |
|---|---|---|
| A | Mexiko | 1,55 |
| B | Schweiz | 2,40 |
| C | Brasilien | 1,35 |
| D | USA | 1,70 |
| E | Deutschland | 1,30 |
| F | Niederlande | 1,90 |
| G | Belgien | 1,65 |
| H | Spanien | 1,20 |
| I | Norwegen | 2,10 |
| J | Argentinien | 1,18 |
| K | Portugal | 1,45 |
| L | England | 1,30 |
Was sofort auffällt: Gruppe J hat mit 1,18 die niedrigste Gruppensieger-Quote, was Argentinien als klarsten Favoriten aller zwölf Gruppen kennzeichnet. Eine Quote von 1,18 entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 85 Prozent, was für eine Gruppenphase mit drei Spielen sehr hoch ist. Aus österreichischer Sicht bedeutet das, dass eine Wette auf Argentinien als Gruppensieger praktisch kein Value mehr bietet.
Interessanter sind Gruppen B, F und I, in denen die Setzköpfe weniger dominant sind. In Gruppe B ist die Schweiz mit 2,40 nur knapp vor Kanada und Bosnien-Herzegowina gesetzt, und wer hier eine eigene Einschätzung hat, findet möglicherweise Value. Gruppe F mit den Niederlanden bei 1,90 bietet ebenfalls Spielraum, weil Japan als Herausforderer ernsthaft ins Rennen gehen kann. Gruppe I mit Norwegen bei 2,10 ist die offenste Gruppe des Turniers, und hier liegen Senegal und Serbien als mögliche Überraschungssieger dicht dahinter.
Ein weiterer Blick lohnt sich auf die Wette „Österreich Gruppenzweiter“ in Gruppe J. Die Quote dafür liegt nach meinen Richtwerten bei rund 3,20, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von etwa 31 Prozent entspricht. Meine eigene Modellrechnung sieht diese Wahrscheinlichkeit ein wenig höher, bei rund 34 Prozent, was einen leichten Value-Vorteil ergibt. Aber Achtung: Das sind Richtwerte, und die aktuellen Quoten bei lizenzierten Anbietern können abweichen. Wer mit diesen Zahlen arbeitet, sollte immer gegen die tatsächlichen Quoten am Tag der Wette prüfen.
Drei häufige Fragen zu den Gruppen
Diese drei Fragen tauchen seit der Auslosung besonders häufig auf.
Welche Gruppen die spannendsten Duelle versprechen
Wenn ich am Ende dieser Analyse zurückschaue, ist mein stärkster Eindruck folgender: Die zwölf Gruppen der WM 2026 spiegeln die heutige Fußballwelt präziser wider als jede Vorrunde zuvor. Die europäische Dominanz ist sichtbar, aber nicht erdrückend. Die südamerikanischen und afrikanischen Vertreter sind stark genug, um regelmäßig Gruppensiege und Aufstiege zu erzielen. Die Gastgeber USA, Mexiko und Kanada haben eine faire Chance auf den Einzug in die Runde der 32. Und das ÖFB-Team steht in einer Gruppe, in der die Mathematik auf Augenhöhe ist, auch wenn der Setzkopf ein Weltmeister ist.
Was ich am meisten begrüße, ist die Vielfalt der Schwierigkeitsgrade zwischen den Gruppen. Keine Gruppe ist langweilig, keine Gruppe ist reine Formalität. Jede Vorrunde hat ihre eigene Dramaturgie, und das macht die WM 2026 zu einem Turnier, das schon in den ersten 72 Partien Geschichten produzieren wird, die noch lange nach dem Finale erzählt werden.
Ein persönliches Schlusswort: Wer die zwölf Gruppen durchgeht und dabei nicht bei Gruppe J besonders lange verweilt, ist entweder kein österreichischer Fan oder zu analytisch für seinen eigenen Genuss. Ich gestehe, dass auch ich beim Schreiben dieses Textes mehrfach innegehalten habe, um mir den 22. Juni im AT&T Stadium vorzustellen. Das ist der Preis, den man als Analyst mit nationaler Bindung zahlt, und der Gewinn, den man bekommt, ist ein Turnier, das sich anfühlt, als wäre man wieder Kind.