Argentinien bei der WM 2026: Titelverteidiger und Gruppengegner Österreichs

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Ein Satz vorab, damit klar ist, mit welcher Haltung ich dieses Profil schreibe: Argentinien kommt als amtierender Weltmeister zur WM 2026, und das allein reicht, um jede nüchterne Analyse vorsichtiger werden zu lassen. Titelverteidiger sind historisch gesehen keine selbstverständlichen Favoriten auf einen erneuten Titelgewinn — im Gegenteil. Seit Brasilien 1962 ist es keinem Weltmeister mehr gelungen, seinen Titel zu verteidigen. Trotzdem ist die Seleccion das Team, mit dem sich jede ernsthafte Quotenanalyse zur WM 2026 beschäftigen muss, weil sie den statistischen Rahmen für alle anderen Teilnehmer setzt. Für österreichische Fans ist Argentinien zusätzlich relevant, weil die beiden Mannschaften in Gruppe J aufeinandertreffen werden, am 22. Juni 2026 im AT&T Stadium bei Dallas. Dieses Spiel wird die mediale Zentralpartie der österreichischen WM-Kampagne sein, und es verdient eine Betrachtung, die weder die argentinische Klasse überhöht noch kleinredet. Ich versuche in diesem Profil, die Stärken der Mannschaft sachlich einzuordnen, die Schwächen offen zu benennen und die Wettquoten in den Kontext der Turnierstatistik zu stellen. Wer auf Argentinien tippen will, sollte wissen, wo die Quoten fair, wo sie überzogen und wo sie vielleicht sogar leicht defensiv gehandelt werden. Die Struktur dieses Profils folgt bewusst einer analytischen Logik: Ich beginne mit der Qualifikation, weil sie zeigt, in welchem Zustand die Seleccion ins Turnier geht, und arbeite mich dann über Trainer, Kader und Gruppenkonstellation bis zu den konkreten Wettmärkten vor. Wer nur am direkten Duell mit Österreich interessiert ist, findet die zentralen Argumente weiter unten, aber ich empfehle den vollständigen Durchgang, weil die einzelnen Bausteine sich gegenseitig erklären.
CONMEBOL-Qualifikation — souveräner Spitzenreiter
Wer sich wundert, warum ich bei Argentinien nicht mit den Superlativen anfange: Die CONMEBOL-Qualifikation war alles andere als ein Triumphzug. Die Seleccion hat sich sicher qualifiziert, aber der Weg war holpriger, als die Überschriften vermuten lassen.
In der südamerikanischen WM-Qualifikation treten alle zehn Mitglieder der CONMEBOL in einer großen Liga gegeneinander an. Argentinien beendete die Qualifikation auf Platz eins, allerdings mit deutlich weniger Dominanz als in früheren Zyklen. Zwei Niederlagen im eigenen Land waren ungewöhnlich, und mehrere knappe Siege gegen Teams, die historisch als unterlegen galten, zeigten Risse in der Abwehr. Die Kombination aus altersbedingten Leistungsschwankungen bei Schlüsselspielern und dem Druck, nach dem Titelgewinn 2022 weiterhin zu liefern, machte manchen Spielern sichtbar zu schaffen.
Statistisch interessant ist die Tor-Differenz: Argentinien stellte zwar die beste Defensive der CONMEBOL-Qualifikation, erzielte aber weniger Tore als Brasilien und Kolumbien. Das deutet darauf hin, dass Lionel Scaloni das Team auf Kontrolle und Disziplin eingestellt hat, weniger auf offensiven Überfluss. Genau diese Ausrichtung ist bei Turnieren häufig ein Vorteil, weil K.-o.-Spiele in der Regel nicht durch spektakulären Angriffsfußball, sondern durch defensive Stabilität entschieden werden.
Ein Moment, der in meiner Qualifikationsauswertung heraussticht: Das Heimspiel gegen Uruguay, das Argentinien überraschend verlor. Dieses Spiel zeigte, dass die Seleccion gegen intensives Pressing und schnelles Umschalten Schwierigkeiten bekommt — ein Szenario, das Österreich im direkten Duell durchaus provozieren könnte, wenn Rangnicks System funktioniert. Wer Argentinien ernsthaft analysiert, darf dieses Spiel nicht ignorieren, nur weil die Gesamtbilanz stimmt.
Ein weiterer Befund aus den Qualifikationsdaten betrifft die Abhängigkeit von Messi. In den Spielen, in denen Messi auf dem Platz stand, erzielte Argentinien im Schnitt 2,1 Tore. In den Spielen ohne ihn fiel dieser Wert auf 1,3 Tore. Das ist ein großer Unterschied, der zeigt, dass Scalonis Team trotz aller kollektiven Struktur immer noch von der individuellen Brillanz des Kapitäns profitiert. Für die WM 2026 bedeutet das: Der Zustand Messis am Turnierstart ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Wahrscheinlichkeit eines tiefen Turnierlaufs.
Auch die Chancenverwertung ist ein Thema. Argentinien erzeugte in der Qualifikation solide xG-Werte, verwandelte sie aber unterdurchschnittlich. Das deutet darauf hin, dass die Seleccion offensiv Chancen produziert, aber nicht den gewohnten Abschluss-Luxus der 2022er-Generation mitbringt. Wer diesen Aspekt bei einer Wettanalyse ignoriert, überschätzt die argentinische Offensivpower. Ich kalkuliere in meinen Modellen daher mit einem abgeschwächten Offensivprofil im Vergleich zum WM-Titel-Jahr.
Der Trainer Lionel Scaloni und sein System
Eine Beobachtung vorweg, die mir seit 2022 nicht mehr aus dem Kopf geht: Lionel Scaloni ist der erste argentinische Nationaltrainer seit Jahrzehnten, der sein Team nicht über individuelle Genialität, sondern über kollektive Struktur definiert. Das ist in einem Land, das den Fußball als Kunstform versteht, eine stille Revolution.
Scaloni wurde 2018 zunächst als Übergangslösung ernannt und hat sich seitdem zum wichtigsten argentinischen Trainer seit César Luis Menotti entwickelt. Sein System basiert auf einer flexiblen 4-3-3-Grundordnung, die gegen stärkere Gegner in ein 4-4-2 mit kompaktem Mittelfeldblock umschaltet. Scaloni hat vom ersten Tag an auf Hierarchie durch Leistung gesetzt: Selbst Lionel Messi musste sich seine Rolle erspielen, wie Scaloni öffentlich mehrfach betonte. Das Ergebnis ist eine Mannschaft, die taktisch variabel agiert und auch ohne ihren Superstar funktionieren kann, wenn es sein muss. Diese Unabhängigkeit vom Superstar ist bei Turnieren ein oft unterschätzter Faktor, denn Verletzungen oder rote Karten können jeden Favoriten aus dem Rhythmus bringen.
Taktisch ist die Kompaktheit zwischen den Linien das wichtigste Merkmal. Scalonis Argentinien lässt dem Gegner selten Räume im Halbraum und zwingt ihn, über die Außenbahnen zu spielen, wo die Seleccion mit schnellen Doppelungen die Zuspielwege zustellt. Im Ballbesitz setzt das Team auf kurze Pässe durch das Zentrum und nutzt die technische Qualität von Rodrigo De Paul und Alexis Mac Allister, um das Tempo zu diktieren. Gegen Teams, die hohes Pressing spielen, hat Argentinien allerdings wiederholt Probleme gezeigt — und genau das wird Rangnick in der Vorbereitung auf das Duell in Arlington ausgewertet haben.
Scalonis größte Stärke ist aus meiner Sicht sein Umgang mit der Erwartungshaltung. Nach dem Titel 2022 hätte sich kein argentinischer Trainer leisten können, Messi zu rotieren oder junge Spieler den Vorrang zu geben. Scaloni tut beides, und das Team akzeptiert es, weil der Erfolg die Methode legitimiert. Für die WM 2026 bedeutet das: Wir werden eine Argentinien-Elf sehen, die weniger auf persönliche Highlights und mehr auf Turnierstrategie ausgerichtet ist als je zuvor.
Eine weitere Eigenschaft Scalonis, die in Analysen oft übersehen wird, ist seine Bereitschaft, während eines Spiels das System zu ändern. Wo andere Trainer bei 1:0 das Ergebnis verwalten, lässt Scaloni sein Team bei Bedarf auf 4-2-3-1 umstellen, um das Mittelfeld zu verstärken, oder auf 3-5-2, um Breite auf den Flügeln zu schaffen. Diese taktische Flexibilität ist bei K.-o.-Spielen ein unterschätzter Vorteil, weil sie es einem Gegner erschwert, sich auf einen festen Matchplan einzustellen. Für Rangnick und das ÖFB-Team bedeutet das, dass die Vorbereitung auf das Duell mit Argentinien mehrere taktische Szenarien abdecken muss.
Schlüsselspieler
Ein ehrliches Wort zum Kader: Argentinien 2026 ist nicht mehr das Team von 2022. Mehrere Leistungsträger aus dem Finale von Lusail stehen vor dem Karriereende oder sind bereits aus der Nationalelf verabschiedet. Scaloni hat den Übergang behutsam gesteuert, aber das Profil der Mannschaft hat sich verändert.
Lionel Messi
Die Frage, ob Messi überhaupt bei der WM 2026 spielt, war bis weit in das Jahr 2025 hinein offen. Inzwischen ist klar: Er wird dabei sein, aber in einer anderen Rolle. Mit 38 Jahren beim Turnierstart ist Messi kein Dauerläufer mehr, sondern ein selektiver Gestalter, der in wichtigen Momenten das Spiel entscheidet. Seine Rolle wird vergleichbar mit der eines klassischen Zehners sein, der sich defensiv entlastet und offensiv die Schlüsselpässe spielt. Österreichische Fans, die Messi bei dieser WM einmal live sehen wollen, haben am 22. Juni in Arlington genau diese Chance.
Julián Álvarez
Der Mann, der den Stürmerplatz neben oder hinter Messi übernommen hat, ist aus meiner Sicht aktuell der wertvollste Spieler der Seleccion. Álvarez verbindet Abschlussstärke, Arbeitsrate und taktisches Verständnis auf einem Niveau, das in seiner Altersklasse selten ist. Für das Duell gegen Österreich ist er der gefährlichste Angreifer, weil er zwischen den Linien agiert und die Räume findet, die ein zurückgezogenes Mittelfeld offenlässt. Wer auf einen argentinischen Torschützen wetten will, findet bei Álvarez meistens den besseren Wert als bei Messi.
Alexis Mac Allister
Der Mittelfeldspieler, der das Spiel der Seleccion im Zentrum strukturiert. Mac Allister ist der verlängerte Arm Scalonis auf dem Platz und übernimmt die Rolle, die in früheren Generationen Spieler wie Fernando Redondo oder Juan Sebastián Verón innehatten. Seine Qualitäten liegen in der Ballverteilung, der Raumfindung und der defensiven Disziplin. Gegen ein pressendes Team wie Österreich wird seine Fähigkeit, sich aus engen Räumen zu lösen, entscheidend sein.
Enzo Fernández
Der dritte Mittelfeldspieler neben Mac Allister und De Paul, und gleichzeitig derjenige mit dem größten offensiven Upside. Fernández hat sich seit dem Titelgewinn 2022 von einem Box-to-Box-Spieler zu einem kompletten Zentrumsstrategen entwickelt. Seine Distanzschüsse und seine Fähigkeit, das letzte Drittel mit präzisen Vertikalpässen zu öffnen, sind für die Seleccion ein strukturelles Merkmal. Er ist auch ein Kandidat für Standardsituationen, und angesichts der wenigen Freistöße, die Argentinien pro Turnier typischerweise verwandelt, ist jeder einzelne davon wichtig.
Emiliano Martínez
Der Torhüter, der im Finale 2022 zur Legende wurde, ist auch 2026 die unumstrittene Nummer eins. Martínez verbindet klassische Paraden mit einer Psychologie-Ebene, die bei Elfmeterschießen und engen Schlussphasen messbar wirkt. Statistisch hat er in der Qualifikation mehrfach bewiesen, dass er Eins-gegen-eins-Situationen überdurchschnittlich gut löst. Für Österreich bedeutet das konkret: Ein Strafraum-Schuss ohne optimale Platzierung wird gegen Martínez selten zum Tor, und Spieler wie Arnautović müssen ihre Qualität im Abschluss maximal ausspielen, um überhaupt eine Chance zu haben.
Gruppe J — Argentiniens Weg durch die Vorrunde
Ein Perspektivwechsel an dieser Stelle: Ich wechsle kurz die Seite und betrachte Gruppe J aus argentinischer Sicht, nicht aus österreichischer. Der Unterschied ist bemerkenswert.
Für Argentinien ist Gruppe J aus Sicht der Wettmärkte eine der einfacheren Gruppen des Turniers. Die Quote auf den Gruppensieg liegt bei den österreichischen Anbietern zwischen 1,35 und 1,45, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent entspricht. Der Favoritenstatus ist so klar, dass in Buenos Aires die eigentliche Diskussion nicht lautet „Wird Argentinien Gruppensieger?“, sondern „Wie viele Tore erzielt die Seleccion in der Gruppenphase?“. Das ist ein qualitativ anderes Erwartungsniveau als in Wien.
Sportlich wird die Gruppe für Scaloni vor allem ein Test der Rotationstiefe. Das Eröffnungsspiel gegen Algerien, die zweite Partie gegen Österreich und das abschließende Spiel gegen Jordanien bieten Scaloni die Möglichkeit, den Kader zu belasten und gleichzeitig die Schlüsselspieler für die K.-o.-Phase zu schonen. Meine Erwartung: Argentinien holt sieben bis neun Punkte in der Gruppenphase und belegt mit hoher Wahrscheinlichkeit Platz eins.
Die wirkliche Herausforderung für die Seleccion beginnt erst in der Runde der 32. Als Gruppensieger wird Argentinien auf einen Drittplatzierten treffen, und je nach Konstellation kann das ein sehr unbequemer Gegner sein — theoretisch sogar eine europäische Nation aus einer Todesgruppe. Die Gruppenphase selbst ist für Argentinien eher eine Vorbereitung als ein Wettkampf.
Ein Aspekt, den ich in meinen Analysen oft betone: Gruppenphasen sind für Topteams psychologisch heikler, als die Quoten vermuten lassen. Ein holpriger Start kann das Selbstvertrauen für den Rest des Turniers beschädigen, während ein überzeugender Auftritt die Mannschaft in einen Rhythmus bringt, den sie bis ins Finale trägt. Scaloni wird genau wissen, dass die drei Partien in Gruppe J für die Seleccion auch die Rolle eines Stimmungs-Barometers spielen. Ein mühsamer Sieg gegen Österreich mit knappem 1:0 wäre rechnerisch ein perfektes Ergebnis, psychologisch aber möglicherweise weniger wertvoll als ein ungefährdeter 3:0-Erfolg, weil er Zweifel sät.
Aus Wettmarkt-Perspektive sind die Gruppenphase-Märkte für Argentinien trotzdem nicht trivial. Die Quoten auf „Argentinien gewinnt alle drei Gruppenspiele“ liegen bei österreichischen Anbietern zwischen 1,80 und 2,10, was einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent entspricht. Das ist aus meiner Sicht fair gehandelt, weil selbst ein klarer Favorit in drei Spielen hintereinander mindestens einmal mit einem Unentschieden oder einer unerwartet engen Partie rechnen muss.
Das Duell gegen Österreich am 22. Juni in Arlington
Wenn ich die Partie zwischen Österreich und Argentinien analysiere, muss ich zwei Dinge gleichzeitig tun: die Klasse Argentiniens würdigen und realistisch einschätzen, wo Österreich ansetzen kann. Beides gleichzeitig ist schwieriger, als es klingt.
Die Quotenlage vor dem Spiel sieht nach Markterwartung etwa so aus: Argentiniensieg bei 1,55 bis 1,65, Remis bei 4,00 bis 4,30, Österreichsieg bei 5,50 bis 6,50. Das sind klare Favoritenquoten, aber keine Deklassierungen. Wer Österreich zutraut, das Spiel offen zu halten, kann auf die Doppelte Chance Remis oder Österreich mit Quoten um 2,80 setzen — aus meiner Sicht einer der interessantesten Märkte des Spiels, weil die Risiko-Rendite-Relation stimmt.
Taktisch wird das Duell eine Frage des Pressings sein. Scalonis Argentinien ist gegen intensives Pressing verwundbar, und Rangnicks ÖFB-Team ist eines der wenigen Teams der Gruppenphase, das überhaupt die Disziplin hat, dieses Pressing über 90 Minuten durchzuziehen. Wenn Österreich in den ersten 20 Minuten ein Tor erzielt, ändert sich die komplette Dynamik des Spiels. Wenn Argentinien früh in Führung geht, wird die Partie defensiv und kontrolliert, und die Chancen auf eine österreichische Aufholjagd sinken erheblich.
Das AT&T Stadium in Arlington bietet Rahmenbedingungen, die eher Argentinien in die Karten spielen. Hohe Temperaturen im Juni, eine Klimatisierung, die den Ball schnell laufen lässt, und eine Zuschauerkulisse, die mit vielen argentinischen Auswanderern aus den USA stark spanischsprachig sein wird. Österreich wird in diesem Spiel sportlich und atmosphärisch in der Underdog-Rolle sein — und das ist nicht unbedingt ein Nachteil, weil Underdogs in der WM-Geschichte Favoriten wiederholt geärgert haben.
Ein historischer Vergleich hilft an dieser Stelle. Argentinien hat bei Weltmeisterschaften gegen europäische Außenseiter wiederholt Punkte liegen lassen: 1990 das legendäre 0:1 gegen Kamerun im Eröffnungsspiel, 2002 das überraschende Ausscheiden in der Vorrunde, 2018 das 0:3 gegen Kroatien. Die Seleccion ist nicht immun gegen unangenehme Ergebnisse, besonders wenn die Mannschaft die Begegnung unterschätzt oder spielerisch gegen strukturierte Pressing-Systeme auftreten muss. Österreich ist 2026 genau so ein Gegner: Kein Weltklasse-Team, aber taktisch diszipliniert genug, um einem Favoriten 90 Minuten lang alles abzuverlangen.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Die zeitliche Staffelung innerhalb der Gruppenphase spielt eine Rolle. Das Österreich-Spiel ist für Argentinien die zweite Partie, also der Zeitpunkt, an dem Scaloni möglicherweise rotieren wird, um Kräfte für die K.-o.-Phase zu sparen. Wenn Argentinien bereits nach dem ersten Spiel drei Punkte auf dem Konto hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Stammkräfte pausieren. Für Österreich wäre das ein strategisches Geschenk, denn eine argentinische B-Elf ist noch immer stark, aber nicht auf demselben Niveau wie die Top-Besetzung.
Weltmeister- und Gruppensieger-Quoten für Argentinien
Zahlen haben in diesem Abschnitt den Vortritt, aber die Interpretation ist wichtiger als die bloßen Werte. Ich gehe Markt für Markt durch.
Der Weltmeister-Markt handelt Argentinien bei den österreichischen Buchmachern aktuell zwischen 6,00 und 7,50, abhängig vom Anbieter. Das entspricht einer impliziten Titelwahrscheinlichkeit von rund 13 bis 16 Prozent. Argentinien rangiert damit hinter Frankreich, Spanien und England im Favoritenfeld, obwohl es der amtierende Weltmeister ist. Das ist kein Zufall: Die Buchmacher berücksichtigen das hohe Alter mehrerer Schlüsselspieler und die statistische Regel, dass Titelverteidiger bei Weltmeisterschaften sehr selten erneut triumphieren. Wer Argentinien als Weltmeister tippt, setzt im Wesentlichen darauf, dass Scaloni die Mannschaft gut genug gemanagt hat, um den Generationswechsel unter Turnierdruck abzufedern.
Der Gruppensieger-Markt ist deutlich klarer. Mit Quoten um 1,40 ist Argentinien der eindeutige Favorit in Gruppe J, und ich halte diese Quote für korrekt bis leicht überzogen. Aus statistischer Sicht würde ich den Fair-Value eher bei 1,50 sehen, weil die Gruppe nicht trivial ist und mindestens ein unerwartetes Ergebnis einkalkuliert werden sollte.
Der Markt „Argentinien erreicht das Halbfinale“ liegt je nach Anbieter zwischen 2,20 und 2,50. Das sind rund 42 Prozent Wahrscheinlichkeit, und ich halte das für fair. Das Team hat die Klasse, bis ins Halbfinale zu kommen, aber die Unsicherheiten im Kader und die Stärke potenzieller K.-o.-Gegner wie Frankreich oder Spanien schließen eine deterministische Prognose aus.
Im Markt „Torschützenkönig“ wird Julián Álvarez bei den meisten Anbietern zwischen 9,00 und 12,00 geführt. Das ist aus meiner Sicht leicht defensiv, weil Álvarez bei einem Halbfinal- oder Finaleinzug Argentiniens statistisch gute Chancen auf sechs oder sieben Turniertore hat. Messi wird bei Quoten um 20,00 gehandelt — eine Wette mehr für Nostalgiker als für Value-Sucher.
Noch ein Blick auf den Markt „Beide Teams treffen“ im direkten Duell Argentinien gegen Österreich. Die Quote auf Ja liegt bei den meisten österreichischen Anbietern zwischen 1,80 und 1,95, auf Nein zwischen 1,85 und 2,00. Das ist ein Markt mit fast ausgeglichener Wahrscheinlichkeitsverteilung, und ich halte ihn für einen der interessantesten des Spiels. Meine Einschätzung: Wenn Österreich das Spiel offen gestaltet und über Sabitzer und Arnautović zu eigenen Abschlüssen kommt, ist ein Treffer realistisch. Argentinien wird offensiv mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens einmal treffen. Auf Ja würde ich in diesem Markt leicht tendieren, allerdings nur mit kleinem Einsatz, weil Ein-Tor-Spiele ohne Gegentreffer bei der WM statistisch häufiger vorkommen, als viele Tipper annehmen.
Eine letzte Beobachtung zu den Quoten: Argentinien wird bei fast allen Wettmärkten von österreichischen Buchmachern einen kleinen Aufschlag gegenüber den asiatischen Börsen bekommen, weil die emotionale Wettneigung heimischer Tipper in Richtung Österreich geht. Wer an Argentinien glaubt, findet also bei lokalen Anbietern tendenziell einen minimal besseren Kurs auf die Seleccion — das sind keine großen Margen, aber bei seriösem Value-Betting zählen auch zwei bis drei Prozentpunkte Unterschied.
Ein oft übersehener Wettmarkt ist „Argentinien scheidet vor dem Halbfinale aus“. Diese Wette liegt bei den meisten österreichischen Anbietern zwischen 1,75 und 1,90, was einer Wahrscheinlichkeit von rund 55 Prozent entspricht. Das ist mathematisch konsistent mit dem Halbfinaleinzug-Markt, aber psychologisch interessant, weil die Mehrheit der Tipper emotional an Argentinien glaubt und dieser Markt daher häufig etwas besseren Value bietet. Ich selbst tendiere bei Titelverteidiger-Märkten traditionell zur Skepsis, weil die Historie klar zeigt, wie selten Teams zwei Turniere in Folge gewinnen.
Abschließend ein Blick auf die Spezialwetten. „Argentinien bleibt in der Gruppenphase ohne Gegentor“ wird mit Quoten um 3,50 gehandelt, was rund 29 Prozent Wahrscheinlichkeit entspricht. Angesichts der Tatsache, dass Algerien, Österreich und Jordanien alle drei eigene Offensivpotenziale haben, halte ich diese Quote für fair. „Messi erzielt mindestens ein Tor im Turnier“ steht bei etwa 1,55, was in meinen Augen defensiv gehandelt ist, weil ein einziges Tor über fünf oder sechs potenzielle Einsätze eine sehr niedrige statistische Hürde ist.
FAQ zu Argentinien
Meine Gesamteinschätzung zu Argentinien bei der WM 2026: Die Seleccion wird ein sehr ernster Titelkandidat sein, aber kein klarer Favorit. Der Titelgewinn 2022 war der Höhepunkt einer Generation, und 2026 wird ein Turnier des Übergangs. Wer auf Argentinien wettet, sollte nicht den Weltmeister-Markt, sondern die kleineren Märkte wie Gruppensieger, Halbfinale oder Einzelspielwetten betrachten. Dort liegen die fairsten Quoten und der solideste Value. Und wer aus österreichischer Sicht auf das direkte Duell schaut: Es wird eng, härter und chancenreicher, als viele Schlagzeilen es vermuten lassen. Egal, auf welcher Seite die Sympathie liegt, diese Partie am 22. Juni in Arlington wird eines der spannendsten Spiele der gesamten Gruppenphase werden.